Faktor Führung: Verantwortung - Ergebnisse - Freiheit
In deinem Unternehmen soll mehr passieren – aber im Moment hängt zu viel an dir? Willkommen bei Faktor Führung – Verantwortung, Ergebnisse, Freiheit.
Dieser Podcast richtet sich an Unternehmer, Geschäftsführer und Führungskräfte, die verlässliche Ergebnisse wollen, ohne dass sie selbst zum Flaschenhals werden.
Du erfährst, wie du:
- Verantwortung bei Mitarbeitern verankerst, damit weniger nachgehakt, korrigiert und „gerettet“ werden muss,
- ein Führungssystem etablierst, das Verbindlichkeit, Tempo und Qualität in die Umsetzung bringt,
- dich selbst so führst, dass du Klarheit gewinnst, deine Energie schützt und dein Stresslevel steuerst,
- deinen Alltag strukturierst (Prioritäten, Delegation, Routinen), sodass du am Ende des Tages mehr Steuerung und bessere Ergebnisse hast.
Jede Folge ist kurz, direkt und praxisnah – für Führung, die entlastet und Wirkung erzeugt.
Mehr zu mir:
www.timopommer.de
Ansonsten findest du mich unter meinem Namen auf Linkin, YouTube, Instagram, TikTok oder Facebook
Faktor Führung: Verantwortung - Ergebnisse - Freiheit
#192 - Die Erfolgsinsolvenz - Im Interview mit Joachim Schäfer
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Schick mir hier Fragen oder Feedback!
Ich habe Joachim Schäfer bei mir zu Gast und es wird richtig spannend. Er erzählt seine Geschichte, wie er es raus aus der Insolvenz geschafft hat und wie er heute zu dem Thema Mitarbeiter vs. Kunden steht.
Hör dir diese Folge unbedingt an.
https://www.schaefer-joachim.com/portfolio/die-erfolgsinsolvenz/
Nutze die Chance:
Kostenloser Engpass-Check: In 45 Minuten finden wir deinen größten Engpass und die nächsten 2–3 Schritte, die dich sofort entlasten. Kein Verkauf, nur Klartext.
👉https://calendly.com/pommer/kostenloses-engpass-gespraech
Kontakt zu Timo Pommer:
Mail für Feedback und Fragen:
podcast@timopommer.de
Webseite:
https://timopommer.de
Linkedin:
https://www.linkedin.com/in/timo-pommer-33941037/
Instergram:
https://www.instagram.com/timopommer/
Facebook:
https://www.facebook.com/Timo.Pommer
Herzlich willkommen zu einer brandneuen Folge des Podcastes Umsetzungstempion. Herzlich willkommen zu einem neuen Podcast mit einem ganz besonderen Menschen, wie ich finde. Nämlich jemand, der etwas ganz Besonderes geschaffen hat und der für mich ein absolutes Vorbild ist und ein wirklicher Umsetzungschend, weil er hat wirklich unterschiedlichste Hürden genommen oder Mauern durchbrochen, je nachdem, wie man das sagen will. Herzlich willkommen, Joachim Schäfer. Herzlichen Dank, dass ich hier bei dir in deiner Firma sein darf.
SPEAKER_00Herzlich willkommen bei uns, Timo. Ich freue mich, dass du da bist und wir haben es lange geplant und ich freue mich riesig auf unser Gespräch und dass wir vielen Menschen was Gutes tun können mit dem heutigen Podcast.
SPEAKER_01Genau. Und vor allen Dingen mal eine ganz neue Perspektive aufzeigen. Weil du hast ja eine wunderbare nicht nur These, sondern du lebst es ja auch hier in deiner Firma, nämlich die Hierarchie hat ausgedient. Was meinst du damit?
SPEAKER_00Die These ist relativ neu. Und das war ein Impuls letztes Jahr, weil ich auch jahrelang versucht habe, mit Macht meine Vision bei den Menschen unterzubringen. Das funktioniert nicht. Für mich ist Menschlichkeit und Macht und Hierarchie ein Gegenspieler. Und durch diesen Impuls, die Hierarchie hat ausgedient, habe ich im Endeffekt sehr viel harmonisiert bei mir. Und als Vorbild kommt es bei den Menschen jetzt ganz, ganz anders an.
SPEAKER_01Jetzt muss man ja sagen, um alle auch so ein bisschen in den Film mal mitzunehmen, jetzt spricht hier nicht der Theoretiker, der irgendwie meditiert hat und gesagt, Mensch, das ist ja irgendwie was Schlaues, sondern du hast ja jetzt hier wirklich ein mittelständisches Unternehmen mit 100 Mitarbeitern, die du führst. Und vor allen Dingen, ich glaube, zehn Jahre ungefähr ist es her, da klopfte die Insolvenz im wahrsten Sinne des Wortes gegen die Tür. Und du hast eigentlich einen komplett anderen Weg gewählt. Vielleicht nimmst du uns mal mit, wie war da die Situation, damit wir mal merken, hey, das ist jetzt Erfahrung pur.
SPEAKER_00Ja, ist natürlich sehr, sehr schön, heute zurückzublicken im Erfolg. War damals eine sehr, sehr schwierige Situation. Da stehst du vor einem Berg und weißt nicht, wie du da drum herumkommst. Und heute weiß ich, da führt nur der Weg oben drüber. Wir standen genau vor zehn Jahren, wirklich am Limit mit der Firma, mit einer Schweizer Tochter noch dazu. Da ist auch Geld verschwunden. Und das Wichtigste aus heutiger Sicht, was ich damals erkannt habe, war: Jetzt habe ich Angst. Und vielleicht ist das für viele, viele Menschen ein Impuls, einfach mal hinzusitzen und sich zuzugeben, obwohl wir Männer das ja gar nicht gelernt haben. Absolut. Jetzt habe ich Angst. Weil erst im zweiten Schritt mit der Erkenntnis habe ich dann reflektiert und gesagt, ja, Moment, Moment, ja, was wäre denn das Schlimmste, was passieren kann? Ja, da ich All in gemacht habe, vorher schon, Haus, Vermögen, Lebensversicherung, Rentenversicherung, alles im Unternehmen drin. Also du warst nackt eigentlich. Genau, genau. Vollblutunternehmer würde man sagen. Ich weiß nicht, wer sich das schon mal so getraut hat. Die meisten haben immer noch irgendwo ein Sicherheitspolster, ich hatte gar keins. Und nichtsdestotrotz dann reflektiert, ja, Moment, was wäre jetzt das Schlimmste, was passieren kann? Und es war dann einfach nur, ja, ich muss meine Mutter fragen um ein Zimmer und du hast zu essen. Und dann denkst du drüber nach, ja, aber Moment, jetzt geht's ja nicht ums Leben. Und das ist der Punkt, and then machst du den Fokus auf. Wenn du da merkst, dass du im Noteprogramm läufst im Überlebensmodus, dann kannst du aufmachen. Und ja, Moment, halt mal, ich habe ja tolle Mitarbeiter. Wir haben Aufträge. Vielleicht kennst du den Satz in vielen Insolvenzen, die Auftragsbücher sind voll. Und das war bei euch auch so. Und im Endeffekt, lange Rede, kurzer Sinn, war es dann wirklich so, dass ich es geschafft habe, 65, 75 Menschen damals an meine Seite zu bekommen, dass wir miteinander die Firma saniert haben. Und so leid es mir tut, wir haben das Management nicht mehr gebraucht, sage ich mal. Die waren dann weg, komischerweise auch relativ schnell. Und das war die Grundlage für die Erfolgsinsolvenz. Und auch dieses ungewöhnliche Wort darf man heute so benutzen, weil wir haben es geschafft, in der Erfolgsinsolvenz Urlaubsgeld zu bezahlen, Weihnachtsgeld zu bezahlen. Wir haben keinen einzigen Arbeitsplatz verloren. Und wir waren nach einem Jahr durch. Und ich werde nie vergessen, die Mitarbeiter von der Bank, die uns sehr, sehr unterstützt haben, die also wirklich nicht geglaubt haben, dass sowas möglich ist und die uns gefragt haben, wo wir dann gefeiert haben nach einem Jahr die Insolvenz. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Und ich glaube, dass das in jeder Insolvenz möglich ist, wenn der Unternehmer einfach Verantwortung übernimmt.
SPEAKER_01Genau, ja, ich finde es ja super spannend, weil ich glaube, so wie du es geschildert hast, wenn man all in geht, wie hast du es geschafft? Gab es einen Moment oder was hat dich da, sag ich mal, aus diesem Angstzustand, wie du es ja gesagt hast, hin zu, ich gesteh es mir mal ein. Wie hast du das hingekriegt?
SPEAKER_00Du hast genau richtig gesagt, die meisten Menschen sind ja immer im Außen unterwegs, mit dem Finger nach schuldigen Suchen und und und nach Ursachen im Außen. Dreh mal den Finger um. Und das ist mutig, muss ich sagen. Das tut erstmal weh. Auf der anderen Seite ist in dir selbst dann die Lösung auch da. Und plötzlich kannst du dir das Leben damit einfacher machen, indem du wirklich den Finger umdrehst. Was ist das Gute daran? Was ist mein Teil der Verantwortung? Und dann triffst du bessere Entscheidungen, indem du eben dann auch den Fokus aufmachst und eben nicht den Insolvenzverwalter machen lässt. Ich frage mich sowieso, wie ein Insolvenzverwalter, der keine Ahnung vom Business hat, so ein Geschäft leiden will. Und wir haben ja eine Insolvenz in der Eigenverwaltung gemacht. Da habe ich irgendwann erfahren, ich bin selbst der Insolvenzverwalter.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_00Und darin steckt so viel Lösung. Und da hat der Gesetzgeber wirklich 2013 ein tolles Instrument geschafft, obwohl das leider auch schon wieder teilweise missbraucht wird. Aber wir haben das Gegenteil bewiesen. Wir waren nach einem Jahr durch. Und das Schöne dabei, alle Lieferanten, Partner haben alle keinen Schaden davongetragen. Wir haben 100% Quote nach der Insolvenz mit Future Business bezahlt. Also es hat niemand Geld verloren.
SPEAKER_01Das war wirklich, du hast ja auch ein Buch geschrieben, unsere Erfolgsinsolvenz darüber. Ich finde das total spannend, weil das hört sich jetzt so locker mal an, wie du sagst. So kann man mal drüber reden, zehn Jahre später, und jetzt in seinem mehr als gesunden Unternehmen sitzen, was mir vorhin auch gesagt, wie es läuft. Also eine steile Kurve nach oben. Also erster Schritt, sage ich mal, was ich jetzt gerade mitnehme, ist so, okay, ich reflektiere mal, ich gucke mal nach innen, inwieweit habe ich irgendwo auch Verantwortung, also mal so die, ja, auf sich zeigen. Dann stell mir das jetzt gerade so vor, dann hast du die Erkenntnis gehabt, jetzt, ja, wie hast du denn jetzt aber den Rest des Unternehmens mitgenommen? Weil die Leute wussten ja auch irgendwie Bescheid und haben ja Angst zum Arbeitsplatz gehabt. Also richtig. Wie hast du überhaupt dann, nachdem du dich mitgenommen hast, den Rest mitgenommen? Also das geht ja auch nicht von heute auf morgen.
SPEAKER_00Auch da wiederum spannend. Wer macht das normalerweise? Das macht der Insolvenzverwalter. Und meine Berater, die hatte ich natürlich auch. Du hast einen Sachwalter an der Hand, du hast den Steuerberater. Und die haben mich schon gefragt, komm Joachim, wir communizieren es an die Mitarbeiter. Ich habe gesagt, nee. Sorry, it's my job. Und wir haben zusammen einen wirklich einen Plan ausgearbeitet, wie das funktionieren kann. Und den habe ich präsentiert. Und da brauchst du wiederum das Vertrauen, den Leuten zu sagen, Freunde, ich hab's entschieden, wir machen das so. Übrigens, du hast bei fast allen Mitarbeitern wahrnehmen können. Endlich, wir haben es ja kommen gesehen. Spannend. And wir standen hier in der Kleberabteilung, alle Mitarbeiter zusammen. Ich stand da vorne natürlich, haben mir die Hose gewackelt, wenn ich das so sagen darf. Aber my plan, ich war so vertraut, dass that funktioniert. And this kannst du auch überbringen. Das kann kein anderer Mensch, das ist eine Unternehmerpflicht. And it was wirklich so, 10 Minuten maximal. And du hast, wie so ein Stein fallen hören im Raum. Und dann sagt der Mitarbeiter aus dem Hintergrund, Joachim, und in einem Jahr sind wir durch. Und das war krass. Und da gingen 75 Leute an die Arbeit mit mehr Leichtigkeit als zuvor.
SPEAKER_01Wo hast du denn, ich sag mal, auch die Kraft, die Mut hergeholt, auch vielleicht die Überzeugung, das ist der Weg, das schaffen wir, weil da gehen dir, glaube ich, tausend Gedanken durch den Kopf.
SPEAKER_00Genau, da brauchst du Menschen und ich bin heute mehreren Menschen sehr, sehr dankbar, die eben mir nicht geholfen haben, sondern die mich begleitet haben. Und das ist, kommt auch im Buch vor, das ist meine Lebensgefährtin von damals. Komischerweise hat sie in München dann zu mir gesagt, wir haben uns, glaube ich, gerade zwei Wochen gekannt. Und ich kam nach München und sagte, Du, ich bin dann mal pleite. Und normalerweise erwartest du, ja Jo, Achim, geh mal in die Firma und kümmere dich. Und sie hat einfach gesagt, vielleicht erinnerst du dich an die Worte vorhin, Joachim, hier ist ein Platz zum Schlafen. Und der Kühlschrank ist voll. Es ist in Worten, Worten überhaupt nicht darstellbar, was das bedeutet an Sicherheit. Und die anderen Menschen waren natürlich die Berater, die auch das Potenzial in uns gesehen haben, die auch gesehen haben, dass natürlich jahrelange Gesellschafterstreitigkeiten und und und die Ursache waren und nicht irgendein Mitarbeiter. Und mir persönlich war das Wichtigste. Und auch die Frage habe ich mir gestellt: Joachim, willst du es verantworten, dass auch nur ein Mensch auf der Straße steht? Wenn du nicht dein Bestes gegeben hast. Und das Beste ist eben nicht, einen Insolvenzverwalter vorzuschicken und sich aus dem Staub zu machen. Okay, da war ich der Einzige dann, der übrig geblieben ist, aber der hat dann auch gereicht.
SPEAKER_01Ja, ja. Also sehr beeindruckend, ja, auch da so nach vorne zu gehen. Und was würdest du jetzt sagen, wenn du jetzt sagst, was ist das auf Volksrezept eurer Firma jetzt? Also jetzt mal nicht vom Produkt, aber ich glaube, was hast du ihm da? 75 Mitarbeiter, 100 Mitarbeiter habt ihr jetzt, also da ein Drittel fast mehr.
SPEAKER_00Das kann man mir der Story auch mit erklären, weil nach einem Jahr, es haben wirklich alle alles gegeben. Das war teilweise gigantisch zu sehen, was die Mitarbeiter hier investiert haben. Und nach einem Jahr, als wir durch waren, war ich dann auch auf der Bank und habe gesagt, Leute, das Folgejahr wird nicht so erfolgreich sein wie das Insolvenzjahr. Weil wenn ich mich jetzt nicht um die Menschen kümmere, dann brechen die zusammen. Die haben alles gegeben. Und das war auch wieder so ein Schlüsselmoment, wo ich gesagt habe, stopp, wo kommen wir her? Und was brauchen wir für die Zukunft? Und das war das Thema damals, 2016, Menschlichkeit. Und nach dem habe ich gesucht, sie war noch nirgends da. Und damit habe ich mich dann auf den Weg begeben und habe gedacht, Menschlichkeit kann ich dem Grunde nach noch befehlen. Das funktioniert.
SPEAKER_01Was ist Menschlichkeit für dich, gerade jetzt in diesem Unternehmenskontext?
SPEAKER_00Menschlichkeit heißt, dass ich Menschen wahrnehme, wie es ihnen geht, wie es ihnen heute geht, dass ich sie nicht mehr führe, sondern begleite, dass ich Menschen unterstütze dabei, dass sie wachsen. Im Endeffekt, dass es so weit geht, dass sie meinen Job machen können. Wow, also die so befähst. Ja. Weil das Potenzial hat jeder, ein Unternehmer zu sein. In einem gewissem Maß. Und das hat wirklich sehr, sehr lange gedauert, bis ich selbst realisiert habe, dass das nicht funktioniert mit Anordnen, sondern übers Vorleben. Und dann brauchst du Geduld. Und das waren so die letzten fünf, sechs Jahre mit sehr viel Ausprobieren, mit auch Fremdunterstützung von einem Coach. Steffen Kirchner sagt dir was, den wir hier für uns, für unsere Mitarbeiter einmal im Monat im Haus haben, dass die Menschen für sich an sich arbeiten können. Weil früher war das so, dass doch das Vertrauen zum Chef, ja, wo gibt es das? Und der Chef sitzt normalerweise an der Spitze oben und delegiert runter. Und da habe ich mich vom Brot runterbegeben, mitten in die Menge rein. Aber da wirst du erstmal gar nicht geholt. Also die Menschen wollen dich nicht dabei, kennt vielleicht jeder Unternehmer, dass die Themen gewechselt werden. Oder das Handy wird weggelegt. So, und da brauchst du natürlich schon auch ein großes Maß an Gelassenheit und Vertrauen in dich selbst, dass es wird.
SPEAKER_01Ich sage jetzt mal, wenn man jetzt in die Welt guckt, ja, unter Führung verstehen die meisten was anderes. Viele Unternehmer führen sehr klar von oben nach unten. Jetzt wirfst du das Wort Menschlichkeit rein, jetzt wirfst du rein, am besten der Mitarbeiter macht meinen Job. Da wird jetzt dem einen oder anderen Unternehmer wahrscheinlich jetzt kalten Rücken runterlaufen. Was denn jetzt, also du machst das jetzt auch nicht nur aus der nächsten Liebe, sondern was ist denn die tiefste Überzeugung dahinter für dich? Oder auch deine Erkenntnis aus den letzten zehn Jahren.
SPEAKER_00Auch David hat der Finger auf mich und du hast gerade eben interessant gesagt, dem Unternehmer läuft es kalten Rücken runter. Also, was hat er im Endeffekt? Dem Grunde nach vielleicht Angst, etwas zu verlieren. Und wenn du nach draußen guckst, was machen viele Unternehmer? Sie bauen sich Mauern, sie bauen sich Stacheltratzer und sie bauen sich Überwachungskameras, sie haben Security. Ja, das habe ich nur, wenn ich Verlustängste habe. Und brauche ich nicht. Hier ist alles offen. Und da ist, glaube ich, ein ganz, ganz wichtiger Punkt, wenn ich nicht spüre als Unternehmer spürst, wie ich jahrelang auch nicht spürt habe, dass ich selber Sorge, Angst oder dieses Gefühl habe. Ja, natürlich.
SPEAKER_01Also angefangen arbeitet er, packt er sich den Kofferraum voll, wenn er nach Hause fährt. Der sitzt er im Homeoffice and macht irgendwas anderes anderes nur. Also treffe ich ja in vielen Unternehmen immer wieder so dieses Thema.
SPEAKER_00Nur ganz, ganz wichtig, es ist nichts Schlechtes. Wir kennen das seit wahrscheinlich Jahrhunderten, dieses System. Nur ich glaube, wir sind jetzt in einer Zeit, wo es uns so gut geht, immer noch. Oder vielleicht ist es uns noch nie so gut gegangen, wo wir einfach überlegen dürfen, hallo mal, gibt es da eine Fortentwicklung, gibt es da eine Möglichkeit, muss ich denn als Unternehmer Angst haben, irgendwas zu verlieren? Oder schenke ich meinen Mitarbeitern so viel Vertrauen und ich habe das einfach gewagt. Natürlich manchmal machst du die Augen zu, wenn der am Handy spielt. Aber auf der anderen Seite weißt du nicht, ob vielleicht seine Frau krank ist und er auf eine Information aus einem Krankenhaus wartet. Und das war für mich so ein Punkt, mich selbst irgendwann ins Vertrauen zu begeben. Und die Menschen tun ja nicht das, was du ihnen sagst, sondern das, was du ihnen vorlebst. Und je mehr ich in mein Vertrauen kam, je mehr haben mir die Mitarbeiter vertraut. Und das ist ein Prozess, wo ich wirklich jedem Unternehmer wünsche, weil das fühlt sich wundervoll an.
SPEAKER_01Jetzt wäre meine praktische Frage wieder auch, wie hast du das geschafft? Weil das ist ja nicht Lichtschalter an und aus so nach dem Motto, ich mache den Drück auf den Knopf und das Vertrauen ist da und ich sage, alles wunderbar, sondern ich kann mir mal vorstellen, dass da auch der ein oder andere Abend dabei ist, wo man vielleicht zweifelt, ist das der richtige Weg? Weil die letzten 20 Jahre habe ich es ja anders gemacht und da habe ich auch irgendwie Geld verdient und alle anderen machen es ja auch. Was hat dich so überzeugt davon von dem.
SPEAKER_00Das war im Endeffekt ein Herzenswunsch. Einfach auch aus der Insolvenz raus, wo ich gemerkt habe, was Menschen gemeinsam im Miteinander auf Augenhöhe leisten können. Damals war ich noch oben drüber gestanden, aber ich habe schon gesehen, was die alle miteinander machen. Das war gigantisch. Und das wollte ich einfach weitertragen und im Endeffekt eigentlich auch ausprobieren, ob da ein Potenzial dahinter steckt. Und wenn ich heute sagen kann, dass wir mit 15,1 Millionen Umsatz produzieren, zweieinhalb Millionen verdienen nach Investitionen, dann weiß ich heute auch, dass unsere Vertrauenskultur, wie ich es nenne, auch materiell erfolgreich ist. Und deswegen, nicht nur menschlich, und zwar habe ich mir zuerst selbst was Gutes getan, weil ich mich ganz anders fühle. Und ich habe jetzt gerade das erste Mal, letzte Weihnachtsfeier, war ich mittendrin und wenn dann die Mitarbeiter kommen, sich bedanken, dich in den Arm nehmen als Chef. Also für mich ist das eines der schönsten Lebensgefühle gewesen, was ich jemals kennengelernt habe.
SPEAKER_01Frage ist, würdest du sagen, dass du die Insolvenz oder dass ihr die Insolvenz so gemeistert habt, weil du so agiert hast? War das ein Erfolgsfaktor, dass du gesagt hast, okay, ich kann jetzt nicht mehr die One-Man-Show machen, sondern ich muss alle ins Boot holen?
SPEAKER_00Das kann man so sagen, damals vielleicht vorausblickend auf die Insolvenz eher. Unbewusst, aber heute, nachdem ich mich auch traue, da hinzuschauen, war das klare Konzept des Miteinanders, des bedingungslose Miteinanders, der Erfolg.
SPEAKER_01Wie muss ich mir das bedingungslos machen, also das Wort habe ich gerade gehört, wie muss ich mir das vorstellen? Ja, weil also auch finde ich ja für alle, die zuhören, so spannend, auch für Unternehmer mal als Inspiration. Weil, wie gesagt, die Realität in Anführungszeichen und in den meisten Unternehmen sieht es ja genau andersrum aus, wo dann eher das Thema ist, ich muss alle kontrollieren.
SPEAKER_00Jetzt mal, um das so zu funktionieren. Genau. Wie gesagt, Timo, das ist ja das, was wir kennen. Und vielleicht ganz, ganz wichtig, das Thema Schwarz-Weiß gut, schlecht gibt es bei mir nicht. Das ist vielleicht auch ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Also an der Hierarchie, dem Grunder, gibt es nichts Schlechtes, weil die Hierarchie hat uns ja hierher gebracht, wo wir heute sind. Und es geht uns verdammt gut.
SPEAKER_02Absolut.
SPEAKER_00Und für mich war einfach irgendwann auch das Gefühl da, ja, bring doch die Menschlichkeit mit rein. Und wir erleben es doch im Sport überall. Also wenn im Sport, Fußball, nur Egos auf dem Spielfeld sind, da kannst du elf Weltklasse-Spieler haben. Die werden kein einziges Spiel gewinnen. Und so konsequent zwar ein, der sagt, wo es hingeht, und die andere dann mitnimmt und befähigt, seinen Job zu tun. Jeder mit seinen Stärken. Und das ist gerade wichtig aus heutiger Sicht in schwierigen Zeiten. Und wir haben heute im Moment auch schwierige Zeiten, insofern, dass wir nicht wissen, wie wir die Kundenwünsche bedienen sollen. Ein schönes Problem in Anführungszeichen. Ja, ich meine, da wiederum, wenn wir bekommen sogar teilweise Geld geboten. Wow. Und wobei ich da sage, stopp. Und gerade auch solche Dinge wie, der Kunde ist König, das kann man so stehen lassen. Aber meine Mitarbeiter sind die Kaiser. Weil was mache ich mit dem Kunden? Was mache ich mit dem Kunden, wenn die Mitarbeiter mir weglaufen? Und da ist es ganz, ganz wichtig, gerade im Moment, wenn ich nur leise spüre, dass von außen Druck gemacht wird oder Druck entsteht, and ich den Mitarbeiter wahrnehm, ich schaffe das nicht. Dann ist der Schiff gefragt, zu sagen, gab es schon mal in der Vergangenheit eine Situation, die wir nicht geschafft haben. Nee, gab es noch nichts. Und es wird so bleiben und ich lasse es nicht zu, dass von außen, egal von wem. Und dafür ist natürlich auf der anderen Seite wichtig, dass wir 12.000 verschiedene Produkte für 550 Kunden machen. Da kannst du einem dann auch mal sagen, stopp, mein Freund.
SPEAKER_01Was ich gerade total dankbar bin, weil so noch nie gehört, aber total spannend, wie du sagst, der Kunde ist König, das kennen wir alle. Der Mitarbeiter ist aber Kaiser. Also, der ist noch wichtiger. Also, du hast eben ja auch so schön beschrieben, also wirklich, Mitarbeiter ist Nummer eins. Also da hast du ein ganz sensibles Ohr oder Augen, je nachdem. Ja, absolut. Von daher, pragmatische Frage: Wie würdest du heute deinen Job beschreiben?
SPEAKER_00Ich nehme da ein recht provokantes Wort. Gerne. Das eine, der glückliche Chef.
SPEAKER_02Ja.
SPEAKER_00Kennt wahrscheinlich auch fast niemand. Und vor allem. Was macht er? Genau. Das ist der Punkt. Der zukünftige Chef ist für mich Coach. Und nicht mehr Führer. Und warum? Weil er sich erst mal selbst was Gutes tut. Weil du gehst viel entspannter durch die Welt. Und ich weiß, dass viele da recht zurückhaltend sind, gerade die Unternehmer. Aber ich würde dem Radar, einfach mal auszuprobieren. Oder gerade mal bei uns vorbeizuschauen. Wie gut sich das anfühlt. Und egal wer bei uns ist, Kunden, Lieferanten, die fragen sich schon: mein Gott, was habt ihr für eine Ruhe im Arbeiten bei dem Auftragsbestand? Das ist ja gigantisch. Und da drin steckt das Erfolgskonzept. Und das hört sich leicht an, ist es auch. Es muss nicht alles schwer sein, erstmal um erfolgreich zu sein. Nein, braucht es überhaupt nicht. Dem Grunde nach ist es die Leichtigkeit, die uns den Antrieb gibt. Und deswegen schaffen wir wahrscheinlich mehr wie viele andere. Und kleines Beispiel, wir sind im Wettbewerb zu China. Wir sind besser, schneller, günstiger.
SPEAKER_01Wow. Also ich glaube, das würden sich jetzt viele Unternehmer wünschen. Das jetzt auch sozusagen, jetzt habe ich so ein bisschen bildlich den Unternehmen am Kopf, der hört uns zu, und der denkt jetzt gerade, ja, Leichtigkeit, das hört sich irgendwie so nach einer Romantik an. Ich lege gerade mein Tagesgeschäft, ich bin um halb acht im Büro, versuche irgendwie um acht spätestens zu Hause zu sein, damit meine Frau nicht meckert, also um es jetzt mal so klischehaft zu sagen. Wie kommt es, also dass du vielleicht irgendwie so ein bisschen Hoffnung dem Unternehmer mitgibst oder wie kommt es zur Leichtigkeit oder wie hast du das geschafft? Was sind da so die ein, zwei, drei Schritte vielleicht?
SPEAKER_00Das ist ja gerade der Punkt, du hast vorhin gesagt, Hierarchie, Kontrolle, Überwachung. Brauche ich Präsenz? Da kommen wir auch her. Also, wie gesagt, 100 Prozent, da kommen wir her. Heute ist im Vertrauen so, dass ich ganz genau weiß, wenn die Menschen, die Mitarbeiter, der Mitarbeiter mich brauchen, dann sprechen sie mich an. Ich bin im Moment drei, vielleicht vier Stunden im Unternehmen. Und den Rest mache ich Hobby. Du hast es vorhin gesehen.
SPEAKER_01Ja, Kaffee.
SPEAKER_00Und da haben sie die Chance und dürfen auf 40 Jahre Erfahrung in der Kunststoffbranche zurückgreifen. Und wenn sie es nicht tun, ist es für mich auch okay. Weil ich ganz genau weiß inzwischen, dass jeder sein Bestes hier gibt. Und natürlich sehe ich manche Dinge und frage dann auch mal nach. Und durch die Offenheit der Menschen ist es auch so, dass es früher war dann das Schiff stört. Heute ist es so, das könnte ein kleiner, wichtiger Impuls sein, machen wir miteinander.
SPEAKER_01Okay.
SPEAKER_00Und das ist dann nachher Leichtigkeit. Und ich nehme jetzt einfach ein Beispiel noch kurz mit einem Kunden. Wir leben Vertrauenskultur mit einem Kunden. Der Kunde hat von uns technische Daten, Stundenlöhne, Material-Einkaufspreise, Arbeitsgänge, Technologie. Die generieren für uns unsere ureigenen Produktionsaufträge. Also der Kunde generiert das durch eine automatisierte Software, schickt uns für 4000 verschiedene Teile im Jahr die Aufträge und wir schleusen die durch und kommissionieren das Material, Maschinen spezifisch auf einer Palette und fahren das einmal in der Woche hin. Das sind am Anfang des Jahres gesprochen, etwa 800.000 Euro beispielsweise haben wir umsagt, okay, lieber Kunde, wir reservieren die ja Kapazitäten übers Jahr hinweg. Dann hat er die Verantwortung, auch uns zu füllen. Und wir schaffen es tatsächlich. Normale Lieferzeit sechs Wochen bis zwei Monate. Dort sind wir bei sieben Tagen bis zehn Tagen. Für hochkomplexe fünf Axt, Dreh, Frästeile, verklebte Hauben. Ja, das kriegt der Chinese nicht mal mit dem Flieger hin. Ist unmöglich. Und das ist Vertrauenskultur und da steckt auch wirklich materiell so viel Potenzial dahinter. Und ja, ich würde es mir wünschen, dass da ganz viele Unternehmer irgendwelches ausprobieren.
SPEAKER_01So, was würdest du jetzt einen Unternehmer raten? Der hört uns jetzt zu, der sagt, oh, das klingt ja alles ganz toll beim Joachim, das funktioniert, aber wenn der mein Laden kennen würde, das ist alles viel komplizierter. Und übrigens habe ich dann noch so ein paar Kandidaten bei mir, Mitarbeiter. Die sind eher freizeitorientiert als unternehmensorientiert. Also bei mir ganz schwierig. Joachim, was würdest du dem?
SPEAKER_00Das Wichtigste, ja, ich nehme jetzt einen lustigen Satz. Wenn es schwierig ist, Erfolg beginnt dann, wenn die Ausreden aufhören. Halt irgendwie ein ganz großer gesagt, mir fällt jetzt der Name nicht ein. Eine schwierige Lage ist für mich eine Ausrede. Ich würde einen Unternehmer einfach gerne zu uns einladen für einen Austausch. Und ich würde wetten, das Potenzial ist in jedem Unternehmen in Deutschland da. Da haben wir übrigens auch eine App geschaffen für eine Produktionsplanung, wo die Mitarbeiter die Reihenfolge der Aufträge schlussendlich entscheiden, weil sie an der Maschine beispielsweise nochmal optimieren können. Produktivität holen wir dieses schöne Wort. Gigantisch. Das einzige Sichere am Plan ist, dass er nie so eintreten wird. So, und auch da haben wir das eine zur Vertrauenskultur, haben wir ein Tool geschaffen, wo die Mitarbeiter mehr Klarheit, mehr Transparenz haben. Und das ist natürlich auch auf der anderen Seite wieder das Gegenteil, wie bei vielen, Geheimniskrämerei. Ja, ich kann doch nicht alles rausgeben. Ich gefährde ja meinen eigenen Arbeitsplatz. Nein, das Gesamtergebnis ist wichtig und das schaffe ich, das schaffe ich mit Vertrauen, mit Offenheit, mit Klarheit, Transparenz viel, viel mehr, wie wenn ich mir so einen Schutzbunker baue. Und das macht einfach Kommunikation schwierig.
SPEAKER_01Absolut, bin ich komplett bei dir. Wenn man jetzt überlegt, 100 Leute, ich nehme nochmal diese Vier-Tage-Woche, immer das mal so auf den Punkt zu, äh, Vier-Stunden-Tag, so wollte ich sagen. Jetzt gibt es ja noch ein paar andere Führungskräfte ja auch. Wie hast du denen das beigebracht? Oder wie nehmen die deinen Gedanken gut, so sage ich mal? Oder wie haben es die geschafft, vielleicht auch umzudenken?
SPEAKER_00Also, Timo, wir sind noch auf dem Weg und wir haben noch lange nicht unser volles Potenzial ausgeschöpft. Wir sind immer noch auf dem Weg und ich glaube, das wird ein unendlicher Weg sein im Wachstum und im Prozess. Gerade die Führungsleute sind natürlich die größte Herausforderung. Und die meisten kleben natürlich an den, was läuft doch gut. Wieso willst du was verändern? Und da geht viel mit Vorleben, da geht viel mit über Erfolg sprechen dann und nicht über mein, sondern über den Gemeinsamen. Auch im Hinblick auf die App. Ein kleines Beispiel dazu. Wir haben Produktionsaufträge, die kennt man, kennt jeder Unternehmer wahrscheinlich. Mit Text, Text, Text, Text, Text. Das erklärt die Menschen. Wenn du an Menschlichkeit orientiert bist, merkst du das, dann nimmst du das wahr. And ich hatte eine Idee and Productbild as Frontpage machen. Da wusste ich noch nicht, dass es in Richtung App-Programm geht, sondern einfach an impuls, Menschen zu helfen, that they're leichter haben. There was nature that Widerstand there. Bis dahin, that we said, okay, what vergeben wir uns, let's probieren. Also am Anfang war ein riesiger Widerstand Bilder auf den Produktionsaufträgen. When heute ein Bild fehlt, weil wir noch im Double Prozess sind, Papier plus App, then gibt es Ärger. Also du brauchst als Chef, that sagt man by uns so, eine selbstgeduld. And this Vertrauen zu dir selbst, dass du im Hinblick auch auf Mensch, der sich gut anfühlt. Man kann nichts schief gehen.
SPEAKER_01Selbst wieder nach innen zu schauen, wie du es am Anfang sagtest, und zu gucken, bin ich noch auch auf dem richtigen Weg oder bin ich vielleicht wieder abgekommen, muss ich mal korrigieren. Genau.
SPEAKER_00Das ist ein ständiger Prozess. Und das kann ich nur in der Selbstwahrnehmung tun. Und wenn ich dann natürlich sehe, wie soll ich sagen, ich werde auch nie vergessen, der Bankvorstand, der hier war, der die App gesehen hat. Ich habe nie daran gedacht, das nach außen zu bringen. Aber der dann, wo er sagt, ja Mensch, wenn ich das so sehe, das braucht ja jedes Unternehmen in Deutschland, diese App. Also nicht zu weit nach vorne. In Erfolg oder in Umsatz und Planung und Produkt. Nee, was ist heute wichtig? Über die Menschlichkeit, über den Prozess, was kann ich da Gutes tun? Und dann einfach mal loslaufen. Und nicht warten, bis irgendein Erfolg eingetreten ist. Und auch ein wichtiger Leitsatz von mir, ich bin heute dankbar im Erfolg. Erstmal dankbar im Erfolg, dann laufe ich auch dahin und nicht da Erfolg muss kommen und dann bin ich dankbar. Auch ein Thema Bedingungslosigkeit.
SPEAKER_01Ja, absolut, absolut. Also ich glaube auch ganz wichtig. Und das, was ich auch aushöre, also dieses starke Wertesystem, was du ja auch vertrittst. Und ich glaube jetzt allgemein, wenn ich Unternehmen so sehe, da gibt es halt häufig Werte, die sind irgendwie auf so einem Poster gemalt, hängen irgendwo an der Wand, der Staub hängt drauf. Aber was wird gelebt? Und ich glaube auch die Zahlen, die du da nanntest, ich meine, ich muss jetzt mal wieder auf die Wirtschaftlichkeit kurz zu bringen, die zeigen ja, was da für ein Potenzial drin ist. Und jetzt hast du gesagt, vier Tage am Tag, äh, vier Stunden am Tag, gibt es denn nicht den einen oder anderen Mitarbeiter, der sagt, der arbeitet ja gar nicht mehr, der macht sich in Lenz und wir schuppen ihn hier. Also vielleicht denkt jetzt, dass der ein oder andere zuhört hier.
SPEAKER_00Nee, überhaupt nicht. Meine sie inzwischen auch wissen, wenn ich mich zurückziehe, wenn ich dann auch mal irgendwo sitze und für mich einfach meinen Kopf und mein Herz arbeiten lasse, dann wissen sie, irgendwas wird rauskommen. Und dem Grunde nach unterm Strich wird es für uns alle was Gutes sein. Und ich glaube, es braucht wirklich den Unternehmer mit der Vision. Und wir haben uns wirklich hier auch so ein kleines Schaffen, wo es den Menschen gut geht, wo Menschen aufgefangen werden, auch zum Thema Menschlichkeit. Ich hatte hier schon Menschen, die finanziell am Abgrund standen, denn sich völlig vergaloppiert haben. Natürlich haben sie einen Fehler gemacht. So, lasse ich den jetzt hängen. Und diese Gemeinschaft hier lässt niemanden hängen. Also wir haben da eine Frau mit einem Haus auch schon mal wirklich aus der Patsche geholfen, dass sie das Haus nicht verliert. Und die Mittel sind ja da. Und mein Traum nach unserem Neubau dieses Jahr, was wir machen müssen, ist, so viel Sicherheit zu haben. Und da sind wir auf dem besten Weg. Wir sind schuldenfrei. Wir machen den Neubau aus dem Laufenden. Also wir brauchen dem Grunde nach keine Bank. Und das nächste Projekt ist ein Campingplatz mit Seminarhotel am See.
SPEAKER_01Für alle, ne?
SPEAKER_00Für uns? Ja, überleg doch mal die alte Garde der Unternehmen. Hier in Offenburg haben wir den Senator Burda. Da ist jedem im Begriff, was der für die Mitarbeiter getan hat. Oder es gab im Schwarzwald Erholungsheime für die Mitarbeiter. So, ich glaube, da dürfen wir wieder hinschauen. Und nicht das Geld in die Schweiz schaffen oder auf die Seite schaffen oder was weiß ich wohin investieren. Wenn ich als Unternehmer nicht erstmal in meine Mitarbeiter, in mein Unternehmen investiere. Ja. Habe ich da Vertrauen zu mir selbst und zu meinen Fähigkeiten? Ich glaube eher nicht. Sondern da habe ich vielleicht die Angst, wie das ehemalige Management hier auch. Ich muss auf die Seite schaffen, dass ich nichts verliere. Und ich glaube, da dürfen wir in Deutschland inzwischen sehr stark drüber nachdenken. Und ich bin inzwischen auch so weit, dass ich keine Aktien habe von keinem Unternehmen, weil ich mir die Frage immer gestellt habe. Oder ein Freund von mir hat mir die gestellt. Ja, ach immer, überleg mal, wenn du Rendite bekommst von einer Aktiengesellschaft, wir hatten für das Geld gearbeitet. Und das sind die mittlerweile. Und von dem her bin ich da achtsam. Das sind so die Punkte, warum ich hier im Unternehmen investiere. Es ist im Endeffekt meine große Familie und das ist ein Mage-Gefühl.
SPEAKER_01All das, das finde ich ganz spannend, dass du das Wort Familie gerade nennst. Und ich meine, wir kennen uns jetzt schon zwei, drei Tage und auch das, was du so immer erzählt hast, also ne, dieses eben, ich sage jetzt mal, ich benutze das Wort Umdenken wirklich, ne? Also weg hin, was ich ganz stark bei dir spüre, von, das sind jetzt hier meine Mitarbeiter, ich bezahle die und die sollen auch für mich arbeiten, in Anführungszeichen. Und du benutzt halt diese Worte wie Familie, Menschlichkeit, auch einfach in Anführungszeichen, Familienmitglied, dann für das Apache helfen, Stichwort Mitarbeiterin, die im Haus fast verloren hätte. Und das damit macht sich natürlich auch, glaube ich, in der Kultur sehr, sehr stark bemerkbar, die du da hast. Und dieses Miteinander, wir arbeiten nicht gegeneinander oder was ich in vielen Unternehmen mal auch sehe, so Silo-Denken. Naja, also Controlling gegen Marketing, Warneingang hat auch nur einen Bock Mist gemacht und das sind ja die Idioten und dann gibt es Ketten-E-Mails, also ich glaube, die kennen wir alle, ja.
SPEAKER_00Ganz, ganz wichtiger Punkt dazu. Und das kannst du eigentlich gar nicht groß genug machen. Wenn wir wegkommen von B- und Verurteilung, können wir Weltreden erreichen. Und B- und Verurteilung ist sehr, sehr stark immer im Außen. Nochmal, ich kenne das alles und ich verurteile es nicht, sonst würde ich ja mich selber verurteilen. Ich habe das alles getan, nur ist es einfach eine Fortentwicklung, es anders zu tun, weil ich mir zuerst selber was Gutes getan habe, indem ich nicht über Gott und die Welt geschimpft habe. Auch was aktuell in der Politik los ist. Ich glaube nicht, dass auch nur eine Verurteilung auch nur irgendjemand vorwärts bringt, sondern wenn jeder den Finger auf sich richtet, halte mal, was ist meine Verantwortung, was kann ich tun, wo kann ich mein Bestes tun, dann wird ein paar ins Wachstum kommen. Und ich glaube, dass wir auf dem besten Weg dahin sind, auch wenn es im Moment relativ holprig ist.
SPEAKER_01Ja, eine Frage, was würdest du sagen, jetzt auch in deinem Leben, du hast ja da einiges durchgemacht, was ist so deine größte Lektion, Erkenntnis, die du gelernt hast?
SPEAKER_00Puh, da gibt es natürlich viele. Es war tatsächlich 2012. Wir kennen das Thema Burnout. Davon war ich betroffen und der normale Weg wäre gewesen, über die Psychiatrie zu gehen. Ich bin einen anderen Weg gegangen mit einer Heilpraktiker zusammen. Und zwar war das der erste Moment in der Hypnose, als ich ihr dann gesagt habe, Mensch, Beate, darf ich ehrlich sein? Und das war wieder Fall vom World Trade Center in ein schwarzes Lob. And gefühlte 30 Minuten Fall. And he had mich da drin lassen. And ich aufwacht und mir ging es gut. And die Ehrlichkeit war dann, Beate, die ganze Zeit, Beate, hol mich doch da raus, du kannst es doch. Joachim, hol dich doch selber raus. Und das war ein Riesen Switch in meinem, der Größe eigentlich. Ohne diesen Switch mit dem Finger auf mich hätte ich die gleiche Entscheidung in der Insolvenz nicht getroffen. Das war einer der entscheidendsten Momente und tja, jetzt bin ich sogar für den Burnout dankbar.
SPEAKER_01Sehr schön. Ja, wie das dann am Ende doch so sein kann. Was war der dümmste Tipp, Ratschlag, den du bekommen hast.
SPEAKER_00Ich nehme das Wort dumm jetzt ein bisschen anders, weil schlecht ist. Nein, nein, dumm passt schon, weil dem Grunde nach Angst macht ja dumm. Weil du in dem Fokus nicht groß genug bist und ich mache es jetzt mal bildlich, so wirst du niemals die beste Entscheidung treffen, weil die liegt hier. Und da war die dümmste Entscheidung, würde ich jetzt mal sagen, ist auch im Buch drin, in der Geschichte meinem Vater zu vertrauen in der Euphorie, als er mich zurückgeholt hat, und ich dann gesagt habe, ja, dann behalt halt die zwei Millionen. Ich kümmere mich wieder um den maroden Laden. Heute würde ich das anders tun.
unknownJa, spannend, ja.
SPEAKER_00Also auch da nicht gemerkt, Euphorie ist genauso gefährlich, dass ich nicht in der Verfassung bin, die beste Entscheidung zu treffen.
SPEAKER_01Und umgekehrt, was würdest du sagen, was ist so der Stand heute beste Ratschlag, den du bekommen hast?
SPEAKER_00Das war tatsächlich die Insolvenz. Das war für mich ein Game Changer, als einer der Freunde auf mich zukam und sagte, Jarin, ich habe das Gefühl, die Firma hat Potenzial, aber ich glaube, jetzt ist der Zeitpunkt da, dass wir die Insolvenz prüfen. Super. Und da bin ich sehr, sehr dankbar drum. Auch wenn es damals schlimm sie angehört hat, es war der Game Changer dann. Allein hätte ich es wahrscheinlich nicht getroffen.
SPEAKER_01Okay, letzte Frage. Mal angenommen, du würdest irgendwie, also du dürftest irgendwas hinterlassen, ja, also hier dein schönes Buch, das gäbe es nicht, es gäbe auch nicht die Firma, du könntest irgendwie eine Botschaft auf der Welt hinterlassen. Was wäre deine Botschaft?
SPEAKER_00Also meine Vision, deswegen mit 60 Jahren bin ich jetzt maximal beim Bergfest, wenn überhaupt. Meine Vision ist, diese Vertrauenskultur, die wir hier schon leben, schon haben, wo wir Erfahrung damit haben, diese in die Welt zu tragen, weil wir damit ganz, ganz vielen Menschen helfen können, dass es ihnen besser und leichter geht. Und ich glaube, da können wir ganz, ganz viel miteinander hinterlassen. Und wir nehmen ja nichts mit. Aber das, was hier aufgebaut ist, wird, glaube ich, noch lange bewahrt werden von denen, die es weiterführen. Und dann habe ich genug Sinn hinterlassen, wo die Menschen sich was anschauen können, dass es ihnen besser geht. Das ist so der Sinn meines Lebens und die Vision der Vertrauenskultur in Deutschland, vielleicht schon, vielleicht auch in der Welt.
SPEAKER_01Als Vorbild beziehungsweise weiterzugeben. Genau. Klasse, du hast ja auch gesagt, wenn jemand sich angesprochen fühlt, wenn jemand mal reinschnuppern will, sich inspirieren lassen will, darf er sich sehr, sehr gern bei dir melden, auch mal vorbeikommen. Kurze Frage, wo findet man dich oder wie kann man dich erreichen?
SPEAKER_00Es gibt natürlich die Webseite von der Schäfer Kunststofftechnik GmbH, das ist die www.schäfer-vollendet.de. Dann gibt es die Webseite von mir persönlich, wo ich meine Vision brenne, schon nach außen prage. Das ist die www.schäfer-joachim.com. Und darin findet jeder meine Handynummer. Also ich kann aus Telefon ab natürlich. Bis wahr.
SPEAKER_01Jörg, ganz herzlichen Dank, ganz tolle Vision. Und ja, ich sage mal, unsere Erfolgsinsolvenz war ein Erfolg. Herzlichen Dank. Mega.
SPEAKER_00Ich danke dir, Timo. Schön, dass du da warst. Mir ist inzwischen bewusst, dass sich fast auch niemand traut, natürlich das Buch zu bestellen. Vielleicht mit der Interpretation, der könnte jetzt denken, ich bin insolvent. Ist einfach eine wunderschöne Geschichte von Menschen und wir interpretieren nicht.
SPEAKER_01Absolut. Klasse, danke. Hier ist nochmal das Buch in die Kamera geil. Gut. Wenn du noch Menschen kennst, die diese Folge hören müssten, dann empfiehl diesen Podcast gerne weiter oder bewerte ihn. Ansonsten hören wir uns wieder in der nächsten Folge.