Faktor Führung: Verantwortung - Ergebnisse - Freiheit
In deinem Unternehmen soll mehr passieren – aber im Moment hängt zu viel an dir? Willkommen bei Faktor Führung – Verantwortung, Ergebnisse, Freiheit.
Dieser Podcast richtet sich an Unternehmer, Geschäftsführer und Führungskräfte, die verlässliche Ergebnisse wollen, ohne dass sie selbst zum Flaschenhals werden.
Du erfährst, wie du:
- Verantwortung bei Mitarbeitern verankerst, damit weniger nachgehakt, korrigiert und „gerettet“ werden muss,
- ein Führungssystem etablierst, das Verbindlichkeit, Tempo und Qualität in die Umsetzung bringt,
- dich selbst so führst, dass du Klarheit gewinnst, deine Energie schützt und dein Stresslevel steuerst,
- deinen Alltag strukturierst (Prioritäten, Delegation, Routinen), sodass du am Ende des Tages mehr Steuerung und bessere Ergebnisse hast.
Jede Folge ist kurz, direkt und praxisnah – für Führung, die entlastet und Wirkung erzeugt.
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Faktor Führung: Verantwortung - Ergebnisse - Freiheit
#225 - Jochen Schweizer enthüllt: die Macht der Emotionen
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Ich durfte erneut Jochen Schweizer in seiner Arena besuchen und habe mit ihm gemeinsam ein weiteres, großartiges Interview geführt.
Es geht darum wie Emotionen unser Leben beeinflussen und natürlich auch um sein neues Buch!
Schau dir unbedingt mein erstes Interview mit Jochen an:
https://youtu.be/P-EYs7XePcQ?si=VpQVUA_bqTZVLNU9
Meine Jochen Schweizer Learnings findest du hier:
https://youtu.be/sk04jx-tiyU?si=MBavyWAwHZigMzFN
https://youtu.be/mj9zoHzfGNY?si=iQUB_ZjKO01qvEjB
Jochen Schweizers neues Buch gibt es hier: https://amzn.to/3Z8uYL2
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Mein Buch "Ich muss gar nichts, außer glücklich sein: https://amzn.to/3Ul03se
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Herzlich willkommen zu einer brandneuen Folge des Podcastes Umsetzungstampion. Wenn ich mir vergegenwärtige, dass die Emotionen am Ende über die Qualität meines Lebens entscheiden. Nicht das, was ich erreiche, nicht das, was ich besitze, nicht mal das, was ich tue, sondern die Emotionen, die ich empfinde, bei allem, was ich tue. Cool ist es natürlich, wenn du ein Ferrari vor der Tür hast, wenn du das willst. Und hast trotzdem alle diese anderen Parameter erfüllt.
SPEAKER_02Ich freue mich, dass ich heute zum zweiten Mal bei einem ganz besonderen Menschen bin, der nicht nur viele Weltrekorde in Extremsportdaten hält oder bei den Löwen in der Höhle der Löwen dabei war oder sein Unternehmen für über 100 Millionen verkauft hat. Es ist ein Mensch, der ganz spannende Bücher geschrieben hat, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, weil ich sie gelesen habe und deshalb möchte ich heute mit Jochen Schweitzer über sein neuestes Werk sprechen.
SPEAKER_01Willkommen zum zweiten Mal. Du gehst ja heute auch noch surfen und fliegen, habe ich gehört.
SPEAKER_02Ja, da freue ich mich auch extrem drauf. Jochen, du hast dieses wunderbare Buch geschrieben, das Jochen-Schweitzer-Prinzip. Warum?
SPEAKER_01Weil ich es an der Zeit fand, den Menschen in einer Phase der multiplen Krisen Hoffnung zu machen und sie davon zu überzeugen, ins Handeln zu kommen.
SPEAKER_02Und was ich ja unheimlich spannend fand, als ich es gelesen habe, du hast ja hier eine Metapher benutzt, und zwar die Metapher der Kutsche. Und auf der Kutsche gibt es so verschiedene Elemente. Es gibt Pferde, es gibt einen Kutscher, es gibt jemanden, der schläft. Was hat es da mit sich auf sich und warum trifft diese Metapher eigentlich für jeden so zu?
SPEAKER_01Die Metapher ist nicht von mir erfunden worden, sondern sie stammt aus dem Yoga Sutra. Und die hat mir nähergebracht ein indischer Mönch vor 30, 35 Jahren in meiner Yoga-Phase, ich hatte mal so eine intensive Yoga-Phase. Und dann sagte der zu mir: In einem Gespräch, wir sprachen Englisch, sagte der zu mir, Most people drift through life like a broken stagecoach. Viele Menschen, die driften durchs Leben wie so eine runtergekommene Postkutsche. The broken stagecoach is pulled by untamed horses, and this runtergekommene, beschädigte Kutsche is von ungezähmten Pferden gezogen. While the driver in the driver's seat is drunk, and the passenger is sitting in the coach is asleep, whether the kutcher betrunken is, ungezähmten Pferde lighten, and the Passagier in the Kutsche schläft. Dann hat er gesagt: This stagecoach, this Kutsche, steht für unseren Körper. Die ungezähmten Pferde stehen für unsere Emotionen. Der betrunkene Kutscher, der steht für unseren Geist oder unsere Geisteshaltung, und der schlafende Passagier, der steht für unsere Seele. Da hat er gesagt, it's very simple. Fix up the coach, tame the horses, sober up the driver, and wake up the passenger. Also bring die Kutsche in Ordnung, zähle die Pferde, nüchter den Fahrer aus und erwecke den Passagier. Und dieses Bild versinnbildlich diese vier Grundelemente unseres Lebens, auf die es unter anderem wirklich ankommt.
SPEAKER_02Ja, also kann ich total nachvollziehen, wenn ich jetzt mal sage, okay, klingt logisch. Wie mache ich das? Also wo fange ich an?
SPEAKER_01Genau, richtig der Punkt. Es gibt ja viele, die sagen, du musst ja eine positive Affirmation sprechen oder klebt dir einen Zettel auf den Kühlschrank oder was auch immer. Und ich persönlich bezweifle, dass das ein Weg ist, der erfolgversprechend ist. Tatsächlich wissen die meisten Menschen, was sie eigentlich tun sollten. Aber sie tun es nicht. Um zu begreifen, warum sie es nicht tun, müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie funktioniert eigentlich der Mensch an sich? Wenn ich mir vergegenwärtige, dass die Emotionen am Ende über die Qualität meines Lebens entscheiden. Nicht das, was ich erreiche, nicht das, was ich besitze. Nicht nur das, was ich tue. Sondern die Emotionen, die ich empfinde bei allem, was ich tue, die entscheiden über die Qualität meines Lebens. Dann wird einem die Bedeutung klar, wie wichtig es ist, Kontrolle über diese Pferde zu haben, wenn sie die Emotionen repräsentieren.
SPEAKER_02Absolut. Und jetzt denke ich gerade so an die Gesellschaft, ja. Ich weiß gar nicht, wer mal diese Werbung hatte: mein Auto, mein Pool, mein Haus, höher schneller weiter. Ich dachte, wenn ich 10 Millionen auf dem Konto habe, dann bin ich glücklich.
SPEAKER_01Nein, das ist nicht der Fall. Jedenfalls nicht automatisch. Ich kenne viele Multimillionäre, die furchtbar unglücklich sind und gar kein erfolgreiches Leben leben. Die sind im Beruf erfolgreich oder erfolgreich im Geld verdienen. Und deswegen führe ich mit diesem Buch die Leserinnen und die Leser heran an das, was ich für die wahre Essenz des Lebens halte. Die wahre Essenz des Lebens ist das eigene Bewusstsein, aber eben auch das Bewusstsein über die eigenen Werte. Denn wenn ich jetzt nur dem vermeintlichen kommerziellen Erfolg hinterher renne, kann es sein, dass ich enorme Opfer bringe. Ich ruiniere meine Gesundheit, ich ruiniere meine sozialen Beziehungen, ich verliere den Kontakt zu meinen Kindern, ich verliere den Kontakt zu meinen Freunden und ich verliere am Ende sogar den Kontakt zu mir selbst. Und das würde ich nicht als ein erfolgreiches Leben bezeichnen, auch wenn der Ferrari vor der Tür steht. Cool ist es natürlich, wenn du ein Ferrari vor der Tür hast, wenn du das willst. Und hast trotzdem alle diese anderen Parameter erfüllt.
SPEAKER_02Absolut bist du.
SPEAKER_01Also das eine schließt das andere nicht aus. Aber ich kann aus meinem eigenen Leben berichten, dass ich tatsächlich, bis auf ganz wenige Phasen, in denen ich mich verloren hatte, dem wirtschaftlichen Erfolg nie meine Gesundheit, meine Physis, meine Familie, meine Kinder oder meine Freundschaften geopfert habe. Oder anders ausgedrückt, ich könnte vielleicht sogar erfolgreicher gewesen sein in meiner Karriere als Unternehmer, wenn ich mich ausschließlich darauf fokussiert hätte. Habe ich aber nicht. Und zwar deswegen nicht, weil vor über 30 Jahren dieses Kutschenbild in mein Leben kam, was ich seither immer bei mir trage. In Gedanken bei mir trage. Es gibt aber auch ein Bild, was mir eine Studentin mal gemalt hatte, als ich vor Urzeiten hier im Audi Max in München mal einen Vortrag gehalten habe und genau darüber sprach und mir eine Kunststudentin so eine tolle Zeichnung, während ich praktisch da den Vortrag hielt, hat mir das gezeichnet, hat mir die hinterher geschenkt. Und die habe ich tatsächlich noch, diese Zeichnung, die liegt bei mir zu Hause sichtbar, die mich immer daran erinnert, okay, wie geht es der Kutsche, wie geht es den Pferden, wie geht es dem Kutsch und wie geht es dem Passagier? Alles zusammen, das bin ja ich. Mein Gespann, mit dem ich durchs Leben fahre, und dem geht es ja nicht immer gleich gut, sondern es ist ja ein ewiges Auf und Ab.
SPEAKER_02Jetzt hast du eben was Spannendes gesagt, dass du dich danach gerichtet hast, aber dich mal ein-, zweimal verloren hast. Und vielleicht andere Menschen, die jetzt das hören, sagen: Mensch, ja, macht alles Sinn, aber ich habe mich vielleicht auch verloren. A, wie hast du es erkannt? Und B, wie bist du wieder zurückgekommen?
SPEAKER_01Also, wir kennen den Begriff der Psychosomatik und also, dass man sozusagen vom Inneren ins Äußere geht oder innere Prozesse sich im Äußeren abbilden. Und ich gehe genau den anderen Weg. Also somatisch, psychisch. Ich habe immer durch höchst körperliche Erfahrungen mein eigenes Setting beeinflusst, meine eigene Geisteshaltung beeinflusst, durch bewusst gewählte, sehr körperliche Erfahrungen. Sprich, wenn ich mich manchmal verloren habe, was natürlich auch vorkam, dann ist es mir in allen Fällen ausschließlich immer gelungen, mich wieder einzufangen über Erlebnisse, Erfahrungen, Dinge, die sich körperlich bei mir manifestiert haben, die dann auch mein Inneres wieder zurechtgerückt haben.
SPEAKER_02Spannend. Jetzt hast du gesagt, Emotionen sind extremst wichtig. Gleichzeitig die Kutsche hast du häufig eingesetzt, also wenn ich jetzt mal deinen Körper nehme, wie du gerade gesagt hast. Wo fange ich jetzt an? Oder was sollte ich jetzt machen, wenn ich sage, okay, dieses Kutschenbild will ich auch anwenden, will ich auch als Orientierungspunkt nehmen.
SPEAKER_01Es kann jeder Mensch selbst entscheiden, über welchen Weg du das Thema aufdröselst. Ich komme über die Physis. Die Kutsche gestalte ich, repariere ich, beschütze ich durch Schlaf, Ernährung und Bewegung. Das sind drei Elemente, die sich auf meine Physis direkt auswirken. Natürlich später die Geisteshaltung auch noch, aber zunächst mal komme ich über den Weg. Wenn es mir schlecht geht, dann gehe ich halt Kajak fahren oder mache eine Bergtour und dann komme ich wieder zu mir zurück. Wenn ich etwas esse, dann bin ich mir bewusst und jeder Leser, jeder, der jetzt hier zuhört, wird sagen: Ja, es ist so. Das, was ich hier rein tue, ist hinterher in mir drin. So, und wenn ich da Scheiße rein tue, ist hinterher Scheiße in mir drin. Das ist ganz einfach. Und das gilt übrigens auch für den Kopf. Ja, absolut. Unbedingt. Jetzt reden wir schon wieder, das ist jetzt, jetzt reden wir gerade über Geist und Geisteshaltung, also über den Kutscher. Und indem ich mir das so klassifiziere, vergegenwärtige ich mich immer, mir immer, vergegenwärtige ich mir immer. Wie ist denn jetzt tatsächlich mein Setting? Denn ich bin ja kein Asket, ich bin ein Fehler, ein Mensch mit Fehlern. Ich mache auch immer mal wieder Fehler, aber entscheidend ist doch, sich bewusst zu machen, okay, was ist mein Ziel, wo will ich hin, wie will ich sein. In dem Augenblick, wo ich aber eine Vorstellung davon habe, wer oder was ich sein will, und nur dann kann ich das auch werden. Es gibt keine Garantie, dass du es wirst. Aber nur so kannst du es werden, denn nicht jedes Ziel gelingt, nicht jeder Plan gelingt, aber ohne Plan gelingt nichts. Und wenn, das schreibe ich auch in dem Buch, wie finde ich eigentlich, wie komme ich zu heilsamen Zielsetzungen? Wie kann ich herausfinden, ob die Ziele, die ich mir setze, wirklich meinem inneren Wertekonzept entsprechen?
SPEAKER_02Du unterteilst das ja in mehr unterschiedliche Ziele, ne?
SPEAKER_01Ja, ja, unbedingt. Aber das gilt es generalistisch. Jede Zielstellung, egal welche, sollte immer mit den eigenen persönlichen Werten korrespondieren. Aber ich habe lange gebraucht, um mir meine eigenen inneren Werte auch wirklich bewusst zu werden. Das hat lange gedauert. Also ich bin da kein Schnellwerker gewesen. Ich habe aber dann den Wertekompass programmiert. Das ist ein Instrument, das ist eine Website, das ist kostenlos. wertekompass.de. Da kannst du drauf gehen und kannst innerhalb von 20 Minuten aus hunderten von Werten deine wichtigsten zentralen Kernwerte definieren. Also geht es dir um Sicherheit oder um Abenteuer, Freiheit oder Familiensinn, wobei das nicht unbedingt ein Widerspruch sein muss. Willst du reich werden oder willst du gebraucht werden? Wie wichtig ist dir eigentlich soziale Anerkennung? Oder ist dir ein Kompetenzerlebnis lieber und wichtiger, wo du dich selbst in deiner eigenen Kompetenz erlebst? Und da kann man sich viele Fragen stellen. Also, wenn es dir um soziale Anerkennung geht und es fehlt dir leicht, im Saldo rückwärts zu springen, dann ist es jetzt. Dann ist die Anreizdimension soziale Anerkennung. Wenn du das voram publico tust. Wenn du in der Einsamkeit eines norwegischen Fjordes dich fünf Stunden lang durch einen Regensturm kämpfst, hast du keine Zeugen. Ich persönlich fühle mich in letzterem Fall etwas wohler hinterher, und mehr bei mir. Auch wenn keiner zugeguckt hat, oder vielleicht gerade weil keiner zugeguckt hat. Aber ich weiß dann, was ich geleistet habe. Und das Bewusstsein der eigenen Werte, was einem wirklich wichtig ist, was dem So-Sein der eigenen Person und Persönlichkeit entspricht, diese Kenntnisse, die gilt es zu vermitteln und die vermittle ich durch dieses Buch, über ein Analyse-Tool, um mal zu gucken, ja, auf welcher Basis entfaltet sich denn eigentlich mein Leben. Also auf welcher Straße rollt diese Kutsche oder auf welchem Weg.
SPEAKER_02So, jetzt angenommen, ich habe so Klarheit, ich will da hin und jetzt sagst du ja hier Teil 2, Reparatur der Kutsche. Also ich weiß, wo ich hin will, aber meine Kutsche hat durch mein Leben ein paar Dellen, ist jetzt nicht mehr so ganz so schick. Und jetzt schreibst hier, Disziplin kann schmerzhaft sein.
SPEAKER_01Ist immer schmerzhaft.
SPEAKER_02Aber es ist unabdingbar. Warum ist das so? Und hast du vielleicht aus deinem Leben ein Beispiel, wo du sagst, ich muss mich überwinden oder ich habe das nur mit Disziplin zu gemacht.
SPEAKER_01Also jeder Mensch, der zuhört, der Sport oder mal Leistungssport getrieben hat, der weiß, dass Disziplin wehtut. Weil wie viel angenehmer wäre es, mit den Kumpels ins Kino zu gehen, anstatt noch eine Krafteinheit zu machen oder nochmal ins Boot zu gehen und nochmal drei Kilometer zu trainieren. Das weiß jeder. Aber auch in der Selbstführung, in der Lebenshaltung Disziplin zu haben, ist halt oft nicht angenehm. Es ist anstrengend, manchmal tut es weh. Deswegen sage ich immer, der Schmerz ist ja nicht vermeidbar. Disziplin tut weh, aber keine Disziplin zu haben, tut auch weh. Tut es mehr weh? Weiß ich nicht, aber später. Tut auch weh, vielleicht sogar mehr weh und später. Denn ich möchte mir nicht ausmalen, wie groß der Schmerz eines Menschen ist, der auf sein Leben zurückblickt und dann realisiert, ich habe mein Potenzial nicht genutzt. Ich habe es nicht genutzt, weil ich nicht ins Handeln gekommen bin. Ich hätte doch das tun können. Und in den allermeisten Fällen wissen die Leute nicht, warum sie es nicht getan haben. Sie haben es einfach nicht getan. Und dieser Schmerz der Reue im Rückblick auf ein vielleicht nicht so erfülltes Leben, was hätte viel erfüllter sein können, den kann ich den Menschen ersparen, indem sie sich an ein paar Regeln halten, die ich in diesem Buch postuliere. Und es führt erkennbar zu mehr Selbstdisziplin und damit aber auch zu mehr Erfüllung im Leben.
SPEAKER_02Jetzt stelle ich mir vor, ich habe verstanden, okay, ich bringe meine Kutsche, die renoviere ich wieder, ich mache Treibesport, ich schlafe, ich ernähre mich vernünftig.
SPEAKER_01Ja, es ist zu einfach gesagt. Das ist sehr, das klingt so einfach und das ist aber ganz schwer, wenn ich sage, schlaf. Dann schreibe ich hier sehr dezidiert über die verschiedenen Formen des Schlafes, über die Chronotypen, über die verschiedenen Schlaftypen, über die Schlafphasen. Weil nur wenn du dieses Wissen hast und du brauchst dieses Wissen, um dich selbst zu konditionieren. Wenn ich zum Beispiel sage, und das hört man ja oft sagen, ja, viele, du musst, um dir eine Eigenschaft anzugewöhnen oder abzugewöhnen, also eine Attitude, musst du 60 Tage durchhalten. So. Dann kann das stimmen oder nicht stimmen, nicht wahr? Und dann nimmt sich jemand etwas vor, ich fange jetzt an mit den 5 Zibetern. Das ist eine einfache yogische Asana-Folge, kostet dich jeden Morgen 15 Minuten. Wenn du sagst, du hast keine Zeit, ist meine Antwort, dann steh 15 Minuten früh auf. Ja, stimmt. Das ist natürlich, es tut weh. Disziplin tut weh. Aber das sind dann deine 15 Minuten, bevor die Familie aufsteht. Und dann machst du deine 5 Zibeter und beginnst mit 7 Wiederholungen, steigerst auf 21. Und jetzt musst du das 60 Tage durchhalten, danach wird es eine Gewohnheit. Das kann man mir jetzt ja glauben oder nicht glauben. Und wenn ich das nicht näher begründe, ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand irgendwie nach 14 Tagen aufgibt, relativ groß.
SPEAKER_02Bin ich bei dir.
SPEAKER_01Wenn ich aber erkläre, dass Gewohnheiten tatsächlich durch Lipideinlagerungen, Anlagerungen an den Synapsen deines Gehirns biologisch nachweisbar sind, dann verstehst du, wenn du nach 14 Tagen aufhörst, war alles für die Katze, weil es dauert eben 60 Tage, bis sich diese Lipidstrukturen in deinem Gehirn über die Gewohnheiten manifestiert sind, verändert haben. Wenn du also weißt, warum du durchhalten musst, damit etwas, was du dir vorgenommen hast, zu einer Gewohnheit wird oder um eine Gewohnheit, die dir abzugewöhnen und es aber auch verstehst, warum das so sein muss, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du durchhältst und über diese entscheidende Schwelle kommst, viel größer. Es ist immer eine Kombination aus Wissen, Klarheit, Bewusstheit, klarer Zielsetzung und eine mindestmal an Disziplin, um es dann auch wirklich zu tun.
SPEAKER_02Okay, also ich sag mal, ich muss mich schon ein bisschen tiefer mit beschäftigen, genauso wie du gesagt hast. Aber ich fange mal an, daran zu arbeiten und meine Kutsche, sag ich mal, in Ordnung zu bringen. Jetzt habe ich da ja noch einen betrunkenen Kutscher, wie du sagst. Was mache ich denn mit dem?
SPEAKER_01Es ist die Entscheidung eines jeden Menschen, wie viel Alkohol er trinkt, ob er Drogen nimmt oder nicht. Und auch der Schlaf übrigens hat einen Einfluss auf deine Geisteshaltung. Weil permanenter Schlafmangel ist eigentlich wie besoffen sein. Irgendwann verlierst du tatsächlich die Klarheit deiner Gedanken durch einen dauernden Schlafmangel. Auch das muss man sich bewusst machen. Und man muss natürlich schon, also wollen muss man schon. Also die Bereitschaft, etwas zu ändern, die muss da sein.
SPEAKER_02Das ist Grundvoraussetzung.
SPEAKER_01Das ist eine Grundvoraussetzung. Aber dann liefere ich mit diesem Buch anhand auch eigener Lebensbeispiele eine Anleitung, wie es jeder schaffen kann, mehr aus seinem Leben zu machen.
SPEAKER_02Jetzt schreibst du ja auch, also wenn ich jetzt mal diese Pferde sehe, die wilden Pferde, die da reiten, und ich glaube, das kennt jeder, Emotionen, die mit einem durchgehen und gleichzeitig hast du gesagt, hey, die Qualität deiner Emotionen ist die Qualität deines Lebens. Jetzt habe ich da ganz wilde Hengster. Und ich wünsche, und der eine läuft nach rechts und der andere läuft nach links, so sinnbildlich. Ich glaube, das kann jeder nachvollziehen. Wie kann ich die denn zähmen?
SPEAKER_01Indem ich immer wieder zu mir zurückkomme. Wir kennen das, Menschen, die viel Energie haben, die vielleicht mal aufbrausend sind. Da würde ich mich dazu zählen, der dann ungerecht wird oder überreagiert, was einem dann immer leid tut. Und man kann daraus aber lernen, und man kann vor allen Dingen lernen, durch bestimmte Techniken, Also sieben Atemzüge, bevor ich reagiere. Und das kann ich üben: sieben Atemzüge, bevor ich reagiere. Das ist die halbe Miete. Es gibt einfache Selbstkonditionierungstechniken, die mir helfen, diese Pferde zu zügeln.
SPEAKER_02Jetzt ein Beispiel, du bist jetzt Unternehmer, ich habe auch mit vielen Unternehmern zu tun. Und es soll ja mal vorkommen, dass die Mitarbeiter Dinge nicht so machen, wie man sich das vorstellt. Weiß ich nicht, wenn du jetzt vielleicht an mal die ein oder andere Situation denkst.
SPEAKER_01Ich habe davon gehört, ja.
SPEAKER_02Du hast davon gehört. Wie schaffst du es jetzt mal ganz pragmatisch, wo du eigentlich so merkst, schon, es kommt in dir hoch, ja. Vielleicht dann nicht, weiß ich jetzt nicht, zu explodieren oder emotional zu werden. Gelingt ja nicht immer.
SPEAKER_01Nee, nee, aber emotionale Selbstkontrolle gelingt nicht immer. Manchmal geht halt der Gaul durch, daher kommt das deutsche Sprichwort, da ist mir der Gaul durchgegangen, das ist halt das Pferd durchgegangen. Das kommt auch vor. Es geht ja immer um die Frage, wie oft passiert das? Und hast du eine positive Entwicklung? Schaffst du es immer besser, deine Energie zu kontrollieren, vielleicht auch mal deinen Zorn zu kontrollieren. Und ich habe so die Erfahrung gemacht, in ganz vielen Fällen hat es was mit dir zu tun. Gar nicht mit den anderen. Es hat was mit dir zu tun. Bestimmte Erwartungen an dich selbst, die du auf andere überträgst, die die aber nicht erfüllen können. Was wieder dazu führt, dass wir in die Bewusstheit gehen müssen.
SPEAKER_02Also, das heißt, wo du sagst, Mensch, ich habe da Erwartung an meine Mitarbeiter, dass die eigentlich das, also eigentlich so ein zweiter Jochen sein müssten, theoretisch. Um Gottes Willen.
SPEAKER_01Das wäre anstrengend, wenn ich nur mit solchen Typen zu tun hätte. Ich glaube, die Erwartungshaltung spielt eine große Rolle. Und bin ich ein guter Kommunikator, habe ich die Fähigkeit, die Zielsetzungen, die ich als Unternehmer habe, mit Mitarbeitern zu vereinbaren, sie mitzunehmen auf den Weg. Das gelingt, aber es gelingt nicht immer.
SPEAKER_02Hast du da eine Vorgehensweise oder hättest du jetzt einen Tipp für jemanden, der Unternehmer ist, der zuhört? Wie nehme ich meine Mitarbeiter mit auf die Reise?
SPEAKER_01Indem ich Ihnen sage, wir stehen jeden Morgen auf, um Millionen Menschen, um das Leben von Millionen Menschen mit außergewöhnlichen Erlebnissen zu bereichern. Wir sind die Demokratisierer des Erlebnisses. Wir machen Erlebnisse jedermann, jederzeit an jedem Ort hochkonvenient und sicher verfügbar. Und für diese Freude, die wir damit schenken, stehen wir jeden Morgen auf und gehen in die Arbeit. Aus den gleichen Gründen fahre ich jeden Morgen hier zu mir in meine Arena, weil wir hier hunderte von Firmenveranstaltungen haben, dass Unternehmen gutes Geld dafür bezahlen, mit ihren Mitarbeitern, mit ihren Kunden oder mit ihren Absatzmittlern, sich hier bei uns zu treffen, gemeinsam etwas erleben, ihre Seminare durchführen oder ihre Kongresse durchführen, oft mit einem Erlebnischarakter natürlich. Denn die Erinnerung ist immer an Emotionen gekoppelt. Das heißt, in der, so wie unser Gehirn funktioniert, erinnert das Gehirn Gegebenheiten oder Fakten, die mit einer Emotion gekoppelt sind, viel leichter und auch länger, als wenn es nur trockene Fakten wären, die jetzt in einem Konferenzraum ausgelegt mit einem Teppich mit Paisley-Muster und grauen Vorhängen vorgetragen werden von einem mehr oder weniger motivierten Redner. Und das ist der Grund, warum wir jeden Morgen hier reingehen. Wir kommen hier jeden Morgen, lange bevor die Busse kommen, mit den Mitarbeitern oder Kunden oder Absatzmittlern unserer Kunden, die das hier buchen, die Event Location, und freuen uns, wenn am Nachmittag oder am Abend die Busse wieder wegfahren und aus den Fenstern schauen strahlende Gesichter raus. Dann wissen wir, ja, die sind als Gruppe gekommen und die fahren als Team wieder weg.
SPEAKER_02Also es ist richtig so, auch wo ihr seht, wir haben einen Beitrag geleistet, dass es jetzt bei dem Unternehmen besser wird. Wenn du sagst, da kommt eine Gruppe und ein Team, ist für mich ein signifikanter Unterschied.
SPEAKER_01Absolut, das ist die Mission.
SPEAKER_02Das ist die Mission, ja. Also wirklich da die Mission auch, also über die Mission oder die Mission zu emotionalisieren und darüber die Menschen mitzunehmen.
SPEAKER_01Sie kommen als Gruppe und sie gehen als Team.
SPEAKER_02Sehr schön. Wenn wir nochmal zurück zur Kutsche kommen und ich stelle mir vor, okay, ich sitze auf der Kutsche, die fährt geradeaus und jetzt leben wir ja in Welten oder in Zeiten, wo es tausend von Möglichkeiten gibt. Also ich sag mal, der eine Gaul will vielleicht nach rechts, der andere nach links. Das war immer so. Ja, das war immer so. Aber du hast hier auch nochmal ganz explizit gesagt, lerne Nein zu sagen. Und jetzt stelle ich mir vor, auch du hast tausend Möglichkeiten oder kriegst Anfragen mit Jochen, komm mach mal hier mit und damit und das ist super. Was ist da so dein Prinzip Vorgehensweise? Wie kriegst du das hin, den ganzen Honigtöpfen zu widerstehen, um es mal so auszudrücken?
SPEAKER_01Eine Position oder auch die Position einer Marke resultiert ja aus meiner Sicht nicht schon gar nicht, nicht nur aus dem, was man tut, sondern auch sehr stark aus dem, was man nicht tut. Etwas nicht zu tun, ist auch ein Statement.
SPEAKER_03Ja.
SPEAKER_01Und eine klare Positionierung.
SPEAKER_02Ja. Und aber trotzdem, dann ist so eine, du hast diese Positionierung, dann kommt aber jemand um die Ecke und sagt, Jochen, das ist mega, das ist super. Ganz toll. Zuckst du dann manchmal?
SPEAKER_01Oder ist das Ablenkung oder. Nee, nee. Das ist eine ganz, das ist eine gefährliche Situation, weil man da manchmal dumme Sachen macht. In so einer Situation ist erstmal wichtig, in welchem energetischen Zustand bin ich gerade. Also bin ich überarbeitet oder bin ich gut erholt oder geht es mir gerade saugut oder stehe ich unter Druck. Und das hat schon mal einen großen Einfluss auf die Frage, wie entscheide ich das. Das ist die Stimmungslage. Das ist sozusagen die Farbe. Und dann geht es ums Objektive. Was ist das für eine Veranstaltung? Was ist die Sinnhaftigkeit, dorthin zu fahren? Wie viel meiner Lebenszeit beansprucht das? Was hat das für Konsequenzen innerhalb meiner Familie oder innerhalb meines Unternehmens? Und das ist dann die Rationalisierung. Und jetzt sind wir Menschen Meister darin, uns irgendeinen Schmarren so herzurationalisieren, dass es total logisch klingt, einfach nur, weil es halt gerade in die Stimmung reinpasst und da muss man aufpassen.
SPEAKER_02Ich glaube, wir sind super Storyteller und erzählen uns dann die Story, dass es irgendwie passt.
SPEAKER_01Wir erzählen uns selber manchmal echt schräge Geschichten.
SPEAKER_02Und machen dann manchmal Dinge, die wir dann sehen. Die noch schräger sind. Und wir bereuen. Nee, bereut euch übrigens nicht.
SPEAKER_01Ah, das ist spannend, ja? Also gibt es nichts. Ich bereue nicht, weil ich glaube, erstens mal Reue, Reue, das ist sowas wie ein Angriff auf dich selbst. Zweitens kannst du die Vergangenheit nicht ändern, es ist nichts zu bereuen. Man kann nur eine Konsequenz daraus ziehen, es ist das nächste Mal besser zu machen. Und nicht zu bereuen, hängt auch mit der Fähigkeit zu verzeihen zusammen. Denn emotionale Freiheit entsteht durch Verzeihen, durch Vergebung. Das sind ja alle schon mal verletzt worden, viele von uns sogar sehr schwer. Von Menschen, die wir vielleicht geliebt haben, innerhalb der Familie oder in welcher Situation auch immer. Und es kostet unendlich viel mehr Kraft zu vergeben, als jetzt rachsüchtig zu sein oder für immer nachtragend für das, was einem da vermeintlich angetan wurde. Indem wir aber vergeben, das rechtfertigt ja nicht das Handeln des Perpetuators, also des Verletzenden. Das rechtfertigt das Handeln überhaupt nicht. Insofern ist ja vergeben ein Geschenk, was man sich selbst macht. Denn aus einem emotionalen Gefängnis heraus kann man kein freies Leben gestalten. Jetzt kommt der entscheidende Punkt, and the twist zur Reue. Noch schwerer als anderen zu vergeben, ist sich selbst zu vergeben für Fehler, die man gemacht hat. Das ist das Schwerste überhaupt, sich selbst zu vergeben. Indem ich in der Lage bin, mir selbst zu vergeben in meiner Menschlichkeit, ist auch das Thema Reue erledigt. Dann ist es eben geschehen. Und vergeben bedeutet nichts anderes, als anzuerkennen, dass die Vergangenheit keine andere sein kann. Egal was passiert ist, du kannst die Vergangenheit nicht ändern. Sie kann keine andere sein, als die, die sie ist. Und das hat dann mit Akzeptanz zu tun. Das kann man nur akzeptieren. Und dann kann man vergeben, sich anderen vergeben, ist leichter natürlich, als sich selbst zu vergeben. Und insofern eröbrigt sich auch das Gefühl der Reue.
SPEAKER_02Ich sage jetzt mal, klingt total logisch für mich. Und jetzt bin ich wieder, sitze ich auf meiner Kutsche und die Pferde, die springen nur so im Karré, weil es so emotional ist. Vielleicht kannst du irgendwie ein Beispiel aus deinem Leben nennen, also wie du es dann geschafft hast.
SPEAKER_01Heute zum Beispiel. Heute ist mir Mal der Gaul durchgegangen. Ganz reale Geschichte. Ich hatte heute Morgen ein Interview, sehr früh, ein sehr wichtiges Interview mit einem großen deutschen Medium. Und natürlich bin ich da dann auch, verlasse ich mich auf Mitarbeiter, die dann das technische Setting machen. Und der Mitarbeiter ist halt einfach, ich glaube, drei Minuten vor der Schalte hier aufgekreuzt. Und ich bin technisch echt eine Niete. Also das ist wirklich gut, wenn ich es wüsste und gewusst hätte, hätte ich mich natürlich mich bemüht. Und da habe ich mich jetzt richtig, richtig geärgert. Also so richtig geärgert und bin dann tatsächlich auch mal was selten passiert laut geworden. So verdammte, verdammter Mist. Und dann geht es mir schlecht damit. Also mir geht es selber schlecht damit. Was habe ich gemacht? Ich habe mich zusammengerissen, ich habe dieses Interview durchgeführt, ich habe die beiden Folgetermine anschließend abgesagt. Ich habe mich in mein Auto gesetzt, bin an die Regatta Strecke in Oberschleißheim rausgefahren, 30 Minuten Fahrt, habe die Bootshalle aufgeschlossen, habe eines meiner schönsten Kajaks rausgenommen, habe dieses Kajak aus Wasser gesetzt. Es hat ausgerechnet auch noch angefangen, richtig kräftig zu regnen und starker Wind kam auf. Es war aber egal, ich war schon dort, es war dann kalt und unbequem und bin eine Stunde gepaddelt. Bin bis zur letzten Phase nass wieder angekommen am Steg, habe mein Boot aus dem Wasser gehoben, hab' abgetrocknet in der Bootshalle, hab's aufgeräumt, hab mich selber trockengelegt und hab mich ins Auto gesetzt. Und auf der Rückfahrt war ich in einer ganz anderen Stimmung. Hätte ich jetzt die Termine hier durchgezogen, wäre ich wahrscheinlich jetzt noch in der Stimmung. Das nenne ich Selbstkonditionierung. Und jetzt hat jeder Mensch irgendetwas, was er gerne tut oder gut macht und kann auch diese Entscheidung fällen, auch als Angestellter. Ob das dem Chef jetzt gefällt oder nicht, wenn das dann dazu führt, dass dieser Mensch danach eine bessere Leistung bringt oder wieder bei sich ist oder in der Lage ist zu verstehen, warum bin ich eigentlich jetzt so aufbrausend geworden. In dem Fall war das halt nicht das erste Mal und auch nicht das zweite Mal. Und immer verzeihst du und verzeihst und verzeihst und irgendwann läuft das Fass über. Logisch. Wir sind Menschen. Wir sind Menschen. Und was ich sage, ist ja keine Doktrin, die dann immer 100% zutrifft, sondern es sind Ernährungswerte. Ein Bestreben, dass man es versucht. 80 Prozent, die 80%-Regel, wie mit der Ernährung. Ich ernähre mich 80% richtig konsequent. Aber wenn da unten manchmal bei einer Firmenveranstaltung mit bayerischem Buffet ein Schweinekrustenbraten steht, dann der Duft. Muss ja nicht jeder mögen, aber ich liebe diesen Geruch und dann hau ich halt auch mal rein. Und ich habe auch kein schlechtes Gewissen, weil ich weiß ja, die nächsten drei Wochen bin ich wieder in meinem Ernährungsprinzip verhaftet. Also wir wollen uns ja nicht selbst kasteien, wir wollen uns doch nicht um die Freude des Lebens bringen. Muss nicht unbedingt meine große Frage sein, aber es geht um das richtige Maß. Und ich glaube, wenn du 80% diszipliniert bist, dann ist es das richtige Maß. Ich glaube, 100% wäre dann schon Gift. Es ist schon wieder überpacen quasi. Ja, die Menge macht das Gift. So, und es geht jetzt darum, für jeden Menschen das richtige Maß zu finden, aber vor allen Dingen, und das ist immer wieder, triggere ich das an in diesem Buch, in den verschiedenen Kapiteln. Es geht, ich sage den Leuten nicht, was sie tun sollen oder was sie nicht tun sollen. Sondern ich unterbreite Vorschläge und Modelle, welches Verhalten führt voraussichtlich zu welchem Ergebnis.
SPEAKER_02Und dann kann jeder sich selbst wählen, möchte er dieses Ergebnis haben.
SPEAKER_01Ja. Aber wenn du dieses Ergebnis willst, dann musst du was dafür tun.
SPEAKER_02Dann sind wir wieder bei der Disziplin.
SPEAKER_01Also, wenn du das Gefühl hast, du willst eine bessere, nehm mal an, du bist ein Kerl, bist Mitte 40, bist vielleicht schon Familienvater, was dich natürlich in vielen Bereichen investierst du deine Zeit nicht in Sport, sondern vielleicht in die Familie oder die Kinder oder in die Erfordernisse des Alltages. Und jetzt guckst du Schiff am Spiegel und sagst, irgendwie habe ich mich verändert. Ich glaube, jetzt gibt Männer in dem Alter gibt es viele, die sagen, stimmt's, verdammt nochmal. Du kannst es ändern. Ohne irgendetwas anderes zu vernaseln. Wenn du es ändern willst, dann fang jetzt an. Mach jetzt zehn Legestütze und zehn Kneebeugen. Nur zehn. Das kostet dich eine Minute. Jetzt. Jetzt. Tu es jetzt. Und dann morgen machst du elf. Und zwar zweimal am Tag, morgens und abends elf. Dann kostet dich das vier Minuten. Übermorgen machst du zwölf. Irgendwann bist du bei 20. 20 Liegestützen zweimal am Tag. 20 Nähbeugen zweimal am Tag. Führt nicht zu einer signifikanten Veränderung innerhalb von vier Wochen. Aber es führt zu einer enormen Veränderung innerhalb eines Jahres. Dieses Bewusstsein, dass das eben nicht innerhalb von vier Wochen passiert. Also der Ranzen ist nach vier Wochen nicht weg. Aber nach einem Jahr ist er weg. Weil du dich verändert hast. Und wenn du das jetzt noch kombinierst mit einem Verständnis für die eigene Ernährung, dann kommst du auf den Weg. Und es macht keinen Sinn zu warten bis zum Wochenende oder bis zu den Ferien. Sondern wenn du jetzt das Gefühl hast, wenn ich mich jetzt vor den Spiegel stelle, bin ich mit meinem Look nicht zufrieden, dann mache ich jetzt, ich weiß nochmal, jetzt, während wir sprechen, nichts und niemand hinter dich daran, während du uns jetzt zuhörst, zehn Legestütze zu machen. Das ist vielleicht ein bisschen verrückt, aber es ist die Wahrheit.
SPEAKER_02Ja, und ich glaube, das ist ja eine ganz zentrale Botschaft auch deines Buches. Im Vorwort beschreibst du das ja auch, wo du sagst, es ist nie zu spät. Wir können immer anfangen. Und zwar jederzeit. Genau, und dieser Kern, da gibt es eigentlich nicht die Ausrede.
SPEAKER_01Aber damit ich diese Nummer durchhalte, muss ich verstehen, wie ist eigentlich mein Gehirn programmiert. Und die Umprogrammierung deines Gehirnes auf jeden Tag zweimal Liegestütze und zweimal Kniebeugen, dauert halt 60 Tage, bis daraus eine Gewohnheit wird, weil sich das in den Synapsen durch die Lipitstrukturen auch biologisch manifestiert in deinem Gehirn. Und deswegen ist sozusagen mein Buch eine Kombination aus einer Ideenanleitung, schon auch durchaus, wie ich es dann immer mal wieder geschafft habe, die Kurve zu kriegen, wenn ich falsch abgewogen war. Aber natürlich auch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, warum die Dinge so sind, wie sie sind.
SPEAKER_02Jochen, jetzt haben wir über die Kutsche geredet, jetzt haben wir über den Kutscher geredet, über die wilden Pferde. Und es gibt ja jetzt noch einen ganz interessanten Gast in der Kutsche, nämlich der, der schläft. Und ich glaube, viele können da vielleicht gar nicht so viel mit anfangen. Was ist mit der Seele gemeint?
SPEAKER_01The passenger sitting in the coach represents our soul, hat der Yogi gesagt. Vor weit über 30 Jahren zu mir. Und seither beschäftige ich mich auch mit der Frage der Seele. Und die Frage der Seele, die kann man viel kontroverser diskutieren als die Frage der Kutsche. Und das liegt auf der Hand. Ernährung, Schlaf, Bewegung. Kapiert jeder. Bei der Seele haben wir die Neurowissenschaftler, die sagen, es gibt keine Seele, es sind alles biochemische Vorgänge im Gehirn. Und es gibt die Esoteriker, die die Seele als das große Welt, allumfassende Weltgemeinsamkeit betrachten, zum Beispiel. Da gibt es ja ungefähr tausend verschiedene Interpretationen der Seele. Also muss jeder für sich erstmal ein Bild bekommen und ich beschreibe die verschiedenen Geistesrichtungen, Geisteshaltungen, was wird unter einer Seele in den verschiedenen Religionsgemeinschaften verstanden, was wird in der Philosophie unter der Seele verstanden, was wird biologisch bei den Neurowissenschaftlern unter Seele verstanden, die ja sagen, es gibt gar keine. Ich glaube schon, dass es eine gibt. Und dann am Ende komme ich eigentlich zu der Konklusion, wie ich damit umgehe und um die zu verstehen, muss ich ein bisschen was über meinen Werdegang berichten. Ich bin ja Waldorf-Schüler und bin als Waldorf-Schüler anthroposophisch erzogen. Da gibt es eine protestantische Kirchengemeinschaft, die heißt die Christengemeinschaft. Und geprägt natürlich ist die Anthroposophie von ihrem Erfinder Rudolf Steiner, von ihrem Begründer. Rudolf Steiner, ein deutscher Philosoph, dessen Hauptwerk die Philosophie der Freiheit genau zu diesem Thema Stellung bezieht. Auf eine höchst philosophische Art. Und ich habe gelernt, dass im Christentum Gott Halt geben soll, nicht wahr? Später kam ich dann mit dem Buddhismus in Berührung und ich interpretiere Buddhismus als eine Art Erfahrungsreligion, in der ich lerne, mir selbst Halt zu geben. Das passt ein bisschen besser zu mir. Vielleicht passt es nicht zu anderen Menschen, aber zu mir passt es halt ganz gut. Dann habe ich irgendwann auch meinen Frieden mit der Überlegung, was ist eigentlich Seele gemacht, in dem mir klar geworden ist, dass in jedem Menschen, in jedem Menschen schlummert dieser eine Splitter göttlich göttlichen Lichts, dieser eine Splitter der reinen Essenz, nämlich des reine Charisma. Also Charisma heißt ja übersetzt Gottesgabe. In jedem einzelnen Menschen. Bei ganz vielen Menschen wird dieser Splitter aber nicht sichtbar. Der tritt nicht nach draußen. Bei anderen Menschen, ganz natürlich, tritt nach dem Roman. Dieses Licht nach draußen und es sind sichtbar, das sind diese Menschen, die so eine ungeheure persönliche Präsenz auch ausstrahlen. Aber die Kraft ist in jedem Menschen. Und darin sehe ich die Seele. Das ist diese Verbindung mit allem, die wir haben. Das ist das. Die stärkste Kraft auch in mir, die mich am Ende leitet. Und auf die Seele müssen wir ganz arg aufpassen. Weil auf die Dauer der Zeit nimmt deine Seele die Farbe deiner Gedanken an. Und jetzt kommen wir wieder zum Kutscher und zur Geisteshaltung und zum Mindsetting. Denn Gedankenhygiene ist ein Thema, was vielen Menschen, auch mir, nicht immer leicht fällt. Denn es rattert ja permanent im Kopf. Es ist ja permanent. Also das ist ja so, wie wenn da ständig jemand miteinander quasselt. Der Quatsch quatscht. Ja, genau, der Quatschi quatscht. Und diese Gedankenhygiene ist so wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, sind diese Gedanken jetzt an dieser Stelle sinnvoll? Befördern sie mich oder beschädigen sie mich oder belasten sie mich? Und wie kann ich durch einen Willensakt meine Gedanken auf andere Themen lenken? Das lerne ich in der Meditation. Deswegen beschreibe ich in dem Buch ein gutes Dutzend verschiedener Meditationstechniken. Ich persönlich praktiziere Zatzen-Meditation, also aus dem Zen-Buddhismus kommt, was übrigens von vielen Christen auch praktiziert wird. Einer meiner besten Freunde, Toni Faber, der Kanonikus vom Stephansdom zu Wien, also ein Priester, ein katholischer Priester, der praktiziert Zazen-Meditation. Das ist religionsfrei, sondern das ist ein Vorgehen, die Stille des Geistes zu erzeugen. Und wer mal versucht hat, zehn Minuten lang nur seinen eigenen Atem zu zählen und an nicht zu denken, der ist wahrscheinlich so wie ich auch erstmal gescheitert und gescheitert.
SPEAKER_02Hast du mal meditiert? Ja, natürlich, ja, also Tagesroutine, also mache ich es täglich. Ja, ja, genau.
SPEAKER_01So, und das kommt mit der Zeit, also diese Übung. Es gelingt auch manchmal gar nicht, aber trotzdem tut es wahnsinnig gut, diesen Moment der Stille anzustreben und ihn manchmal auch zu erleben in einer aufrechten, knenden Haltung an einem stillen Ort. Also ich kann keinen Lotusitz mehr machen, weil meine Knie vom Leben beschädigt sind. Da habe ich meine Kutsche, meine, die Räder meiner Kutsche beschädigt durch leichtfertiges Handeln. Und so komme ich aber auch hier wieder an einen Punkt hin, der mich weiterbringt. Und wenn du jetzt alle diese Themen zusammenfasst, dann reden wir jetzt über eigentlich vier Grundbereiche und die nochmal untergliedert in zehn weitere, dann sind es eigentlich 40 Bereiche, und jeder Leser, jede Leserin kann sich aussuchen, wo greife ich an. An welcher Stelle setze ich an, um zu einer persönlichen Veränderung zu kommen, wenn er oder sie das will. Ja, absolut. Wenn sie es nicht will oder er, dann ist es trotzdem interessant zu lesen. Also bitte kauf dieses Buch. Muss ja schließlich auch meine Familie ernähren. Aber Spaß beiseite. Das muss jeder selber entscheiden, wo er ansetzt. Ich persönlich, bei mir funktioniert es am besten, wenn ich über physische, somatische Erlebnisse komme.
SPEAKER_02Also genau, ich glaube, wenn man das Buch liest, es ist wirklich, also für jeden, was dabei, wirklich so eine klare Anleitung zu finden, das Leben zu verändern, zum Besseren zu machen. Ich habe eine letzte Frage noch, weil ich es, glaube ich, hochspannend halte. Der Gast schläft, also die Seele schläft, ist ja so die Botschaft. Was würdest du für einen Tipp geben oder woran merke ich, wie wecke ich diesen Gast auf? Wie wecke ich die Seele auf? In der Stille.
SPEAKER_01Tatal Alama hat immer gesagt, spend some time alone every day. Manchmal geht das nicht. Aber ich kann mir bewusst Auszeiten nehmen, in denen ich mich in die Stille zurückziehe. Ich habe das Glück, dass ich seit 40 Jahren so eine alte Hütte in Norwegen habe, die damals in mein Leben kam. Das ist ein großes Privileg, so einen Ort zu haben. Aber jeder kann sein Ort identifizieren. Und dann ist auch nur eine bestimmte Ecke in einem bestimmten Wald, ist einem bestimmten Baum, an die sich dieser Mensch jeweils zurückzieht, um still zu sein. Denn erst in der Stille merkt man, wie laut es eigentlich ist im eigenen Kopf.
SPEAKER_02Jochen, das waren tolle Schlussworte. Die Zeit ist verflogen. Ich habe noch 30 weitere Fragen. Herzlichen Dank. Also hier nochmal das Buch Das Jochen Schweizer Prinzip. Also ein wunderbarer Wegweiser inklusive Umsetzungstools. Und wir sehen uns ja demnächst in Kenia. Vielleicht schiebe ich da nochmal drei Fragen hinterher.
SPEAKER_01Sehr gerne. Und dann gehen wir in der Dunkelheit los und werden die Sonne draußen in der Savanne aufgehen sehen.
SPEAKER_02Wow, ich freue mich jetzt schon. Herzlichen Dank, Jochen. Wenn du noch Menschen kennst, die diese Folge hören müssten, dann empfiehl diesen Podcast gerne weiter oder bewerte ihn. Ansonsten hören wir uns wieder in der nächsten Folge.