Faktor Führung: Verantwortung - Ergebnisse - Freiheit

#312 Die kriegen ohne mich nichts gebacken: Wenn der Chef nicht abschalten kann!

Timo Pommer

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Viereinhalb Stunden Golf, drei Anrufe aus der Firma. Und abends auf der Terrasse der Satz: "Die kriegen ohne mich nichts gebacken."

In dieser Folge geht es darum, was der Urlaub über den Zustand eines Unternehmens verrät: warum gerade erfolgreiche Unternehmer am häufigsten unterbrochen werden, woran man erkennt, dass alle Entscheidungen am Chef hängen, und was der erste Schritt zu einem Unternehmen ist, das auch ohne den Inhaber läuft.

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SPEAKER_00

Herzlich willkommen zu einer brandneuen Folge des Podcastes Faktor Führung. Und in dem Fall einer Folge aus meinem Urlaub aus Österreich und ich fühle mich genötigt, diese Folge heute hier aufzunehmen. Und zwar geht es darum, ja, Urlaub und Business. Sprich, was sagt dein Urlaub über dein Business aus? Wie gut läuft dein Unternehmen oder deine Organisation oder wie auch immer. Was hat das Ganze damit zu tun? Ich bin hier in Österreich mit meinen Eltern, Sohn, Familie und wir sind zum Golfspielen hier. Das ist unsere große Leidenschaft und nächste Woche geht es nach Italien. Da spielt mein Sohn ein größeres Golfturnier drei Tage lang. Das ist sozusagen unser kleines Trainingslager hier. Und vorgestern haben wir zusammen mit Peter gespielt. Und ich weiß nicht, wenn du jetzt keine Ahnung hast vom Golf oder noch nie gespielt hast, dir so ein Bild zu geben, so eine Golfrunde kann schon mal viereinhalb Stunden dauern. So, und wir haben mit Peter viereinhalb Stunden Golf gespielt und Peter hat es geschafft, während dieser viereinhalb Stunden dreimal ans Telefon zu gehen und dreimal mit seinen Mitarbeitern zu telefonieren. Ich habe das Ganze so ein bisschen beobachtet, wie das halt so ist. Im Urlaub, wenn man im gleichen Hotel ist, dann sieht man sich natürlich beim Frühstück oder beim Armbut oder irgendwo zwischendurch. Und so war es auch wieder, dass ich Peter gestern Nachmittag auf der Terrasse getroffen habe nach der Golfrunde und dann haben wir so ein bisschen geplaudert. Nach five Minuten klingelte wieder sein Telefon anders, Timo, Moment mal, da ruft schon wieder XY an, and man merkte schon, er war leicht genervt. Und dann war sein Satz so: Ich muss da mal reingehen, die kriegen ohne mich nichts gebacken. Das war sein Satz. So, das heißt, er ist an Telefonier gegangen, so fünf Minuten, sechs Minuten, kam dann irgendwann wieder zurück und sagte: Es ist unfassbar, Timo. Die kriegen echt ohne mich nichts gebacken. Ich muss ständig da ran. Und meine Frage war an: Peter: Hast du denn überhaupt Urlaub oder bist du nur woanders und arbeitest trotzdem? Naja, wir sind also ein bisschen ins Gespräch gekommen und warum erzähle ich das? Ja, es ist wirklich ein Gratmesser. Kannst du Urlaub machen, ohne E-Mails zu checken, ohne ans Telefon zu gehen, oder ohne, dass du jetzt wieder irgendwelche Meetings online oder sonst irgendwas hast. Und für mich hat das schon was mit Qualität zu tun, weil wir leben natürlich in einer Zeit, in einer Gesellschaft, wo sich alles unheimlich schnell dreht. Das heißt, wenn wir im Arbeitsleben unterwegs sind, haben wir echt viel zu tun. Und ich bin, wenn du den Podcast öfter schon mal gehört hast, dann weißt du es, ich bin ein riesengroßer Fan oder wie soll ich sagen, ich betone das immer wieder und benutze es in meinen Coachings, Mentorings immer wieder, das Thema Energielevel. Wenn du keine Power, keine Energie hast, dann kannst du die besten Strategien haben, aber du wirst deine PS nicht wirklich auf die Straße. Das heißt, ja, wir brauchen Energie im Körper, müssen aber auch hier oben im Kopf echt klar sein. So, und da brauchen wir einfach Auszeiten dafür, um einfach unseren Akku mal wieder aufzuladen. Wenn wir aber ständig im Bereitschaftsmodus sind, das heißt, wir telefonieren hier und wir machen das da, können wir nicht aufladen. Und ich weiß, ich weiß, jetzt wird der eine oder andere, der jetzt hier zuschaut und hört, sagt, also Timo, so schlimm ist es ja nicht, mal das ein oder andere Gespräch zu führen, die ein oder andere E-Mail zu beantworten. Punkt eins. Und Punkt zwei, ansonsten läuft es nicht. Und beide Sachen finde ich schwierig, das eine mehr, das andere weniger. Dieses natürlich dauernd so halb online zu sein, ist ein Thema, was man total unterschätzt. Und ich gebe ja in Coachings häufig den strategischen Tipp, auch mal Urlaub zu machen in einem Gebiet, wo man kein WLAN hat, wo man kein Handyempfang hat, wo man quasi gezwungen wird, von den äußeren Umständen einfach in den Urlaub zu gehen oder einfach im Urlaub zu sein. Und das ist hochspannend, was dann die Leute immer wieder berichten, wie gut es denen tut, wie erfüllend das war, wie aufgeladen sie wiederkommen und vor allen Dingen, wie klar sie im Kopf danach sind, weil man einfach mal abgeschaltet hat. Das ist das eine. Das andere, ja, wenn ich natürlich das Gefühl habe, ja, ohne mich läuft es nicht, ja, dann ist es natürlich wirklich wie so eine kleine Krankheit. Und ich weiß, dass natürlich der ein oder andere damit recht hat. Wenn er jetzt nicht mehr an das Telephone gehen würde, dann würde wirklich zu Hause ein Problem entstehen. Und gleichzeitig muss man sagen, oder im Unternehmen ein Problem entstehen, gleichzeitig muss man sagen, naja, das zeigt natürlich auch den Zustand deines Unternehmens, die Klarheit, inwieweit wir als Chef noch das Nadelöhr sind. Das heißt, laufen die Entscheidungen über meinen Tisch? Muss ich die Dinge freigeben? Trauen sich meine Mitarbeiter vielleicht keine Entscheidungen zu treffen, weil sie Angst davor haben? Oder haben sie nicht die Kompetenz, haben sie nicht die Fähigkeiten, Entscheidungen zu treffen? Das sind alles so Themen, die ein Riesenthema sind, wenn wir darüber reden, wie schaut ein selbstständiges Unternehmen aus. Und ich bezeichne das immer das Selbstläuferunternehmen, was von selbst läuft, ohne dass ich überall im Tagesgeschäft eingreifen muss. Und das ist genau der Punkt, denn ich erlebe das immer wieder, sowohl in Konzernen als auch bei Unternehmen, also bei Mittelständern, dass so eine gewisse, ich nenne es jetzt mal, Chefabhängigkeit oder Unternehmerabhängigkeit entsteht. Und gerade bei Unternehmern ist es so, dass das häufig eintritt, weil ich Erfolg hatte mit meinem Unternehmen. Das heißt, ich bin erfolgreich mit meinem Unternehmen, ich wachse immer weiter bis zu einem Punkt, wo es nicht mehr weiter geht. Wo sich auf einmal sich die Katze in Schwanz beißt, wo ich jetzt wirklich den nächsten Schritt gehen muss. Das heißt, ich brauche ein klares Führungssystem, ich brauche Strukturen, um eben das nächste Level zu erreichen. Denn ich bin sonst der Engpass. Ich bin das Nadelöhr. Ohne mich geht halt nichts. So, und weil ohne mich nichts mehr geht, geht es auch nicht mehr schnell voran. Plus, dass ich natürlich dann die ganze Zeit im Stressmodus bin und eben nicht mal in Ruhe Urlaub machen kann und entspannen kann. Und genau das war dann wirklich das Gespräch für die nächsten anderthalb Stunden mit Peter dann auf einer herrlichen Terrasse mit schönen Blick auf die Berge. Und er saß dann wirklich sehr, sehr roumütig da vor mir. Und sagte, ja, Timo, du hast vollkommen recht. Wenn ich wirklich in den Spiegel gucke, muss ich mir eigentlich eingestehen, dass ich hier der Engpassfaktor bin. Und das heißt, ich muss den nächsten Schritt gehen, wenn ich weiter wachsen will mit meinem Unternehmen, was er will, dass ich einfach andere Strukturen brauche, eine andere Klarheit brauche und eben auch ein anderes Führungsverständnis in meinem Unternehmen implementieren muss, dass eben die nächste Führungsebene selbstständig arbeitet, selbstständig führt und selbstständig Verantwortung übernimmt und damit auch Entscheidungen trifft. Und das ist so ganz wichtig. Und von daher ist das so ein bisschen so mein Anliegen auch jetzt vielleicht an dich, wenn du hier zuhörst, mal zu überlegen, okay, wie stark ist dein Unternehmen oder deine Abteilung von dir abhängen? Wie stark ist es abhängig, wie lange kannst du in den Urlaub gehen, ohne dass du eingreifen musst, ohne dass jemand dich anruft. Wenn du dazu auch irgendwie mehr wissen willst oder ich habe dazu auch einen Test entwickelt, den Urlaubstest. 15 einfache Fragen dauern drei Minuten, du kriegst sofort dein Ergebnis, wo es eben genau darum geht, wie ist dein Unternehmen aufgestellt. Entweder du findest es bei mir auf der Webseite timopommer.de oder hier unter dem Podcast gibt es vielleicht auch einen Link. Also stell dir mal selbst die kritische Frage, wie lange kann ich in den Urlaub gehen, ohne dass bei mir das Telefon klingelt, ohne dass ich nervös werde. Denn das ist wirklich das Qualitätsmerkmal, wie ist dein Unternehmen aufgestellt. Also mach den Test und ansonsten freue ich mich, wenn wir uns im nächsten Podcast holen.